Montag, 28. Juli 2008

Das Kino ist unser Zuhause

Mit einer furiosen Feier wurde Heide Schlüpmann von Ihren Freunden, Kollegen und Adepten aus dem Universitätsbetrieb verabschiedet.

Endlich mal wieder ein Anlass, das Mal seh'n zu besuchen und in allerschönster kinofamiliärer Atmosphäre Filme zu sehen, die man beim besten Willen nicht versteht - aber das tut man bei Kunst ja häufig nicht. Und bei uns kommt noch als mildernder Umstand hinzu, dass wir lebensumständebedingt ein bisschen ignorant geworden sind.


In herrlichster Open-Screening-Atmosphäre steht da Helga Fanderl auf einem Stuhl und bedient höchstpersönlich einen Super8-Projektor, der auf einer gewagten Konstruktion aus einem Cafétisch, einem Stuhl und einer Filmkiste thront, genannt der Deller'sche Turm und ebenso oscarwürdig wie der Burth'sche Teller. Ein Foto müssen wir leider schuldig bleiben, weil das mitgeführte Fotogerät nicht ansatzweise gegen die sehr lobenswerte Dunkelheit eines guten Kinos ankam. Eric de Kuyper brachte einen seiner Filme auf Video mit, weil er keine Kopie findet und Karola Gramann nötigte Eunice Martins und Maud Nelissen, ein elektrisches Klavier anzufassen. Also bitte, wenn da mal keine Szenenapllaus vorprogrammiert war!

Für Nicht-Familienmitglieder wird der Anlass mit einer Festschrift gewürdigt - pardon, keiner Festschrift, denn eigentlich ist das in diesem Fall was ganz anderes. Sie ist im Stroemfeld-Verlag erschienen und ganz unbedingt lesenswert.

Samstag, 26. Juli 2008

Im Kino Größenwahn?

Wolfram Weber ist der zur Zeit wahrscheinlich optimistischste Kinomacher überhaupt. Ausgehend vom Erfolg des Cinecittà, eines der erfolgreichsten Multiplex-Kinos in Deutschland, startete er eine Eroberungstour durch aufgegebene IMAX-Kinos (Dresden, Frankfurt, Weimar, Würzburg) und belebte zu diesem Zweck einen Filmverleih wieder. Nebenbei ist er der early adopter des digitalen Kinos schlechthin. Wo auch immer er einen Kinosaal in die Finger kriegt, steht innerhalb kürzester Zeit eine D-Cinema-Maschine drin. Sehr bevorzugt ein 3D-fähiges Gerät, das ist nämlich gleich seine nächste Leidenschaft. Im Cinecittá ließ er sogar ein MAD-System mit hydraulischen Sitzen installieren. Think big.

Wer jetzt dachte, die nächste Steigerung könnte eigentlich nur Kino in der Achterbahn sein, hat sich getäuscht. Das wäre ja lahm. Nein, die Webers haben sich vorgenommen, das Grindel in Hamburg zu retten. Dazu wird ein zweistelliger Millionenbetrag gebraucht. Rund 3 Millionen sind nach offiziellen Informationen schon zusammengekommen, der Rest sollte tunlichst bis Anfang August 2008 im Sack sein, sonst kommt der Bagger.

Ein genialer Geschäftsmann, ein naiver Zukunftsgläubiger oder ein unverbesserlicher Kinofreak? Schwer zu sagen, muss man abwarten. Gut für das Kino ist es allemal. Wir wünschen viel Erfolg!

Samstag, 12. Juli 2008

RGB

Nicht jeder Kinobesucher ist den neuen Medien gegenüber aufgeschlossen. Erst recht nicht, wenn er so niederschmetternde Nachrichten liest wie jene über die erste deutsche Web-Soap, die auf MySpace stattfindet: Je fünf Minuten über junge Frauen, die nicht wissen, was sie wert sind, und das in möglichst vielen verschiedenen Fäkal-Worten ausdrücken. Das eigentlich Schockierende daran: Dieses Format soll für die Zuschauer Realität und Fiktion verschwimmen lassen, was so gut funktioniert, daß die Serien-Charaktere bereits Fanpost bekommen. Und ich dachte, es wäre ein schlechter Scherz, als es hieß, jemand habe mal an Dr. Brinkmann aus der Schwarzwaldklinik geschrieben. Lange Rede, kurzer Sinn: Umso erfreulicher, daß es auch junge Erwachsene gibt, die kreativ mit neuen und alten Medien umgehen, und nicht nur konsumieren, sondern uns zum Konsumenten machen.

Wir wurden netterweise auf den Kurzfilm "KRWLNG" hingewiesen, den Dennis Rehner und Fabian Kunz zusammen produziert haben. Falls jemandem der Titel bekannt vorkommt: Ja, das Geschehen ist untermalt vom neuen Song von Linkin Park. Aber diese knapp sieben Minuten Film sind im besten Sinne kein Videoclip. Verzichtet wurde auf eine Kopie der schnell vergessen machenden VIVA-Bilder, stattdessen: Eine in ein wenig verstörendes Grün getauchte kurze Erzählung, die geschickt gedreht erstaunlich viel Lokalkolorit vermittelt. Wie man erfahren kann, hatte der Film sogar bereits in einem Kino Premiere, auf Anfrage ist er auf DVD zu erhalten. Das nächste Projekt ist bereits angekünigt, und die Nachwuchstalente haben sich großes vorgenommen, ein Spielfilm soll's nächstes Mal sein. Wer mag, kann sich hier selber eine Meinung bilden. Fanpost erwünscht - aber bitte an die echten Jungs!

Mittwoch, 18. Juni 2008

Radieschenzähler

Drei Leute, über die wir viel schimpfen, weil sie immer versuchen, einem die Lust auf einen Film zu verderben oder irgendwelche Grabreden auf einen Ort verfassen, an dem sie sich jeden Vormittag aufhalten - ganz nach dem Motto: wer andern eine Grube schreibt, liegt selber drin - haben drei Leute, mit denen wir nicht so richtig viel anfangen können, die aber doch eine gewisse Ahnung vom Kino haben, über Kino und über die heutigen Filmstudenten reden lassen. Das ist soviel Text, dass wir uns die Kommentierung sparen können, weil Sie die hinterher eh nicht mehr lesen. Aber ganz lesenswert ist es schon.

Komm, wir click'n ins Kino

Klar schmeckt das Feierabendbier im Kino am besten. Aber nicht immer ist der richtige Film oder das aufregende neue Kinoerlebnis verfügbar. Dann kann man auch mal auf virtuelle Kinoreise gehen. WIr nehmen Sie mit.

Erste Station: Gravenbruch. Als ältestes Autokino Deutschlands rückt es, jetzt, zum 75jährigen Jubiläum der Erfindung des Autokinos, endlich mal wieder in den Fokus. Die Hessenschau bringt dazu ein nettes Video mit unfreiwilig komischen Schluß, so von wegen: Helden auch nach 75 Jahren (dabei ist der letzte Indy doch gerade mal 19 Jahre her). Übrigens, der Sprecher des Ausschnitts von 1985 ist ein naher Verwandter!

Wer mehr erfahren will: die Berliner Zeitung rekapituliert die Anfänge des Autokinos in den USA. Loge mit Motor, Loveseat auf Rädern, Knutschkugel mit Ausblick - das Image des dark room wird das Kino, besonders das Autokino nie mehr los. Dass es in Deutschland nicht erfolgreicher war und ist: komische Sache. Hier, wo das Auto nun wirklich einen hohen Stellenwert einnimmt, wo das Cocooning so groß angesagt ist und wo alles aus Amerika schon immer ein bisschen besser war... so ein Wohnzimmer auf Rädern ist doch eigentlich das Größte. Kinoleinwand und doch ganz privat, es gibt Hamburger und man kann den neiderfüllten Blick der Nachbarn ernten, wenn man am letzten Samstag wieder eine Spur gründlicher den Chrom poliert hat.

Nächster Halt: Quernheim. Weiß der Teufel, wo das ist, aber dafür ist so eine virtuelle Reise ja gut, man eiert nicht übers Land. Die FAZ nimmt uns dorthin mit und bestaunt das Phänomen Landkino, das so ungewöhnlich eigentlich doch gar nicht ist, man muss sich nur mal die Mühe machen, übers Land - aber das hatten wir ja schon. Der Betreiber Karl-Heinz Meier trägt den Spitznamen "Fuchs" scheinbar zu Recht: bis zu 1.000 Besucher die Woche bei 465 Einwohnern. So ein Ausreißer kann die schönste FFA-Statistik verderben. "Fuchs" informiert sich in der Zeitschrift "Filmwirtschaft" - Bildungslücke oder Zeitungsente? Wir kennen das Heft nicht, zu ergoogeln ist es auch nicht, aber das mag am Namen liegen. Im Deutschen Filmmuseum Frankfurt am Main, sicher eine der verlässlichsten Quellen für sowas, ist es auch nicht gelistet. Selbst wenn es diese Zeitschrift gibt - das Marketing ist bescheiden.

Und weiter. Das nächste Kino ist gleich ein guter Grund für ein schlechtes Gewissen. War mal so nah und man ist doch nicht dort gewesen. Das Lichtspielhaus & CineBar in Groß-Gerau kommt unserem Zukunftskonzept von Verzehrkino erschreckend nahe. Wieder eine Geschäftsidee gestorben, wieder eine Reise fällig. Die Möbel sind ein schwindelerregender Designmix aus allen Epochen zwischen der Kindheit unserer Eltern und unserer eigenen, mit dem Effekt, dass jeder Besucher sich jung fühlen muss. Wer in diesem Kinosaal sitzt, kann die Worte Ölkrise, New Economy, Tschernobyl, 9/11 und AIDS getrost vergessen - das kommt erst in ein paar Jahren. Hey, genau wegen sowas geh'n wir schließlich in Filmtheater. Hoffentlich kann man an der Kasse mit D-Mark zahlen. Und ein Capri-Wassereis für 50 Pfennig kaufen.

Wenn uns reut, nicht ins nahe Groß-Gerau gefahren zu sein, so haben wir jetzt die Chance, den selben Fehler nicht auch mit Köln zu begehen. Der Filmclub 813 sieht schwer aus, als könnte er eine neue Heimat werden. Leider sind 39 km Entfernung ein Ausschlusskriterium für "Puschenkino".

Für manche Leute gehört zu jeder Reise auch ein Gang über den Friedhof. Ein bekannter deutscher Filmkritiker hat mal in einer großen deutschen Tageszeitung einen Artikel zum Thema "Kinotod" geschrieben (nein, wie originell), der klingt, als wäre er zum ersten Mal in einem Multiplex gewesen oder aber, als habe er das Wesen des Multiplex noch nicht so ganz verstanden, und dass es schon noch andere Kinos gibt, wenn man diese nicht mag. Das war 2004 (selbst damals waren die Mutiplexe schon ganz gut eingeführt), ich habe den Artikel aber erst vor wenigen Tagen in meine Lesezeichen gelegt. Wie ich darauf gestoßen bin, ich weiß es nicht. Aber verlinken tue ich so einen Schmutz nicht. Basta.

Dienstag, 3. Juni 2008

Der Nogger-Schock

Wir nehmen uns reichlich Zeit, die Bonner Kinos nach und nach zu entdecken... sind ja nicht soo viele, da hält die Neugier länger an...

Jetzt also haben wir uns mal das Woki vorgenommen. Wofür das wohl stehen mag? Meine Mutmaßung wäre Wohlfühl-Kino, wenn ich die Einträge des sehr lesenswerten Gästebuchs studiere. Wir taten uns ein bißchen schwer mit dem Woki, aber es mag sich um eines der Kinos handeln, zu denen man einen besonderen Zugang braucht, um dort heimisch zu werden. Wir sind zwar generell im Kino zuhause, aber in ein paar Kinos, die jetzt alle etwas weiter weg sind, ganz besonders. Nicht zuletzt ist der Eindruck manchmal auch fälschlicherweise dem Film geschuldet, und der war ziemlich schlecht. Das Sequel wird wohl der erste Abenteuerfilm mit einem Helden am Rollator sein. Über um einen Satz aus dem Film über eine rsant zerbröselnde Mumie aufzugreifen: "Er war 400 Jahre konserviert, die Luft setzt seiner Haut zu." 19 Jahre reichen manchmal auch...

Erfreulich ist schon mal, dass der Saal sehr groß ist und viel von der mutmaßlichen Originalausstattung noch vorhanden ist. Besonders auffällig ist die gelb-goldene (? ...ließ sich bei dem Licht nun wirklich nicht sagen) Wandbespannung mit Leuchten in Kranichform. Noch ein paar blaue Sitze, und man fühltt sich wie bei der alten Lufthansa. Blaue Sitze gibt es auch, hinten im Saal, dann folgen ein paar Reihen numerierte rote Multiplex-Hochlehner, vorne dann wieder eher spartanische Holzstühle mit ebenfalls roter Polsterung. Da kann man sich durch die Jahrzenhte sitzen. Selbige haben wohl auch an den Stühlen der vorderen Reihen genagt. Manche Sitzflächen gaben bedenklich nach vorne unten nach, an mancher Stelle geriet gar die halbe Sitzreihe ins Schwummern, obwohl wir beide eher zierlich gebaut sind. MAD-Kino zum Selbermachen. Alte Schraublöcher im gestrichenen Boden gaben auch Aufschluss darüber, dass die übliche Reihenauflockerung hier auch schon geschehen ist.

Beeindruckend war die große, gebogene (!) Leinwand, der Ton war (abgesehen von der Lautstärke) nicht auf heutigem Großkino-Niveau, aber bei einem Film wie eine Achterbahnfahrt darf man da schon fast dankbar sein.

Ein echtes Erlebnis war dann die Eispause: Die Verkäuferin baute sich in der vordersten besetzten Reihe auf und spähte feldwebelhaft über die Reihen hinweg. Sie nahm sich einen Moment zuviel Zeit, bevor sie zu Ihrer Ansprache anhob, und so nutzten wir die Zeit, um uns schonmal nach der Verfügbarkeit von Wieder-da-Nogger-Choc zu erkundigen. Wer hätte es ahnen können - die Gute hatte eine effektvolle Kunstverzögerung eingelegt, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. In Saallautstärke teilte sie uns mit, ja, tatsächlich, sie verkaufe Eis, das hätte sie wohl auch jeden Moment kund getan, aber jetzt, da wir ihr zuvorkämen... Solchermaßen bloßgestellt versanken wir ein bißchen tiefer in den Sitz (so wie man es sonst nach Erlöschen des Lichts tut). Temptations habe sie nicht, aber Nogger choc, das habe sie, hier, noch jemand ein Eis, ich reagiere auf Zuruf... Weiteren Darbietungen fuhr zu unserem großen Bedauern das konsumunwillige Publikum in die Parade. "Keiner ein Eis? Is ja gut, ich hau ja schon ab."

Schträge Farbkombination, schräge Sitzmöbel, schräger (Umgangs-)Ton und eine Tendenz zur Überdimensioniertheit: da denken wir doch gleich an eins unserer Frankfurter Stammkinos, das unvergleichliche Filmtheater Valentin. Also vielleicht wird's ja noch was mit der Heimeligkeit. Alles eine Frage der Typfixierung.

Montag, 26. Mai 2008

Kranke Synergie

Neulich abends sitze ich auf dem Sofa und sehe Sportfernsehen, und während der Werbepause sehe ich aus dem Augenwinkel eine Tüte Popcorn und einen Reifen nebeneinander. Was war das? Haben mich mien Augen und Ohren getrogen? Nein! Wer vier Reifen der Marke Syron kauft, erhält einen Ein-Jahres-Kino-Gutschein bei UCI Kinowelt! Nur: warum?

Was haben Reifen mit Kino zu tun? Welche Kundenbindungs- und Multiplikationseffekte erwartet sich die beiden davon? Hatte der Syron-Werber die Idee beim letzten Kinobesuch im Glukoserausch nach übermäßigem Genuss von Slushies und Popcorn?

Und wie geht es weiter: gibt es im Kino Reifen-Gratisproben? Kann ich Syron-Reifen an der Concessionstheke erwerben? Und zu welchem Mehrwertsteuersatz? Muss beim Reifenkauf eine Abgabe an die FFA gezahlt werden?

Dienstag, 13. Mai 2008

Rentner vor!

Habe gerade noch ein wenig in der Sonntagszeitung gestöbert, und folgendes gefunden:

Auch Kinos wie das Cinmaxx in Essen oder das Cineplex in Kassel geben deswegen [Rabatte sollen die Hemmschwelle senken und diese zahlungskräftige Gruppe an die für sie fremden Produkte heranführen] gezielt Seniorenrabatte. Die Filmwirtschaft und die Fernsehproduzenten haben sic lange an der Zielgruppe der 14- bis 29jährigen orientiert. Schon 2015 werden aber 50 Prozent der Deutschen älter als 50 Jahre sein und durchschnittlich noch 40 Jahre zu leben haben. Das ist eine große Zielgruppe. Sie hat viel Zeit, ist wohlhabend und - anders als die Nachkriegsgeneration - auch sehr konsumorientiert. Rabatte sollen diese Generation vom Fernsehgerät weg und ins Kino locken. Die Rechnung geht auf. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Anteil der Kinogänger über 50 auf knapp 21 Prozent fast verdoppelt.*

So weit, so schön. Ulkig, daß gerade große Ketten wie Cinemaxx und Cineplex einen Seniorenrabatt anbieten. Nicht nur, daß dadurch das ohnehin schwer überschaubare Preisstaffelungssystem eine neue Verästelung erhält, die das ganze noch ein wenig komplexer macht. Nein, aber daß es gerade die Multiplexe sind, vor denen zumindest alle mir bekannten Älteren schreiend reißaus nehmen.

"Kino?! Nein, da waren wir seit Jahren nicht mehr! Das ist so laut! Und dieser Popcorngestank!" Ja, all die bequemen Analysen der Unbequemlichkeiten kommen nicht von ungefähr! Es gibt eine Menge Menschen, die wirklich so empfinden.
Amüsant auch, daß gerade Essen und Kassel genannt werden, dieses zufälligerweise mit einem anspruchsvollen Programmkino, jenes mit dem vielleicht berühmtesten Kino Deutschlands, der Lichtburg, gesegnet. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich von Anwohnern des Ruhrgebietes nostalgische Lobeshymnen auf dieses große Kino gehört habe, und es sind nicht wenige, die auch heute noch den Besuch dort schätzen. Vielleicht ist die - im übrigen brillante - Idee des Seniorenrabatts ja zumindest in diesen Städten eine lokal begründete Marketingmaßnahme.

Worin aber liegt dann die Begründung, daß die Zuschauerzahlen im Bereich der "Best Ager" - warum darf man eigentlich "Senioren" nicht mehr sagen? - so dramatisch gestiegen sind? Nun, die Filmlisten der FFA zeigen in dem genannten Zeitraum pro Jahr unter den Top Ten allein knapp die Hälfte Titel, die einen großen Anteil an der neuen Zielgruppe gehabt haben dürfte. Nicht zu vergessen all die familientauglichen Filme, in die Oma und Opa mitgeschleppt wurden oder gar allein den Besuch mit dem Enkel gewagt haben.

Eines gilt es bei der Rabattaktion, die so vielleicht für andere Artikel stimmt, beim Kino aber nicht nur leicht hinkt, zu beachten: Das KINO ist ja keine Erfindung unserer "neuen" Zeit. Das KINO gab es schon, noch bevor die alten Menschen jung waren. Das ist für viele ja gerade das Schöne daran.

* Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27. April 2008, Nr. 17; S. 56

Montag, 12. Mai 2008

Tanz der Vampire

Noch kann fast keiner digitale Filme zeigen, da treibt das Geschäft schon seine Blüten: Kinowelt präsentiert einen "wiedergefundenen" Lubitsch-Film von 1921, berichtet filmecho - in 2K. Das ist in etwa so, als würde man ein Auto von 1921 mit Elektromotor restaurieren. An den Gedanken der digitalen Restauration hat man sich ja schon gewöhnt, schließlich ist es der einzig passable Weg, um ganze Folgen fehlender Bilder zu rekonstruieren, wo keine andere Kopie, aus der man den Flicken entlehnen könnte, vorhanden ist. Klar, dass man daraus ein digitales Negativ erstellt (was auch anderes) und dies freilich in 2K-Standard. Aber eine digitale Projektion von so etwas verbietet sich für Puristen dann doch irgendwie, zumindest heute noch.
In ein paar Jahren schon wird sich das geändert haben. Zu verlangen, dass ein Filmklassiker auf 35mm gezeigt wird, wird dann etwa so anmuten, als würde man heute verlangen, Stummfilme nur auf handbetriebenen Projektoren mit Livemusikbegleitung vorzuführen. Oder Mozart nur auf Instrumenten aus dem 18. Jahrhundert zu spielen. Was natürlich ein Trugschluss ist, denn das Prinzip Filmprojektor weicht 2008 von seinem Ursprung 1895 nicht so dramatisch ab. Intermittierender Transport, Lichtquelle, Optik, Filmstreifen - die Komponenten sind alle da. Der DLP-Projektor aber hat damit nichts gemein. Er kann nur noch den Inhalt transportieren, wie eine DVD. Der von Kopiengeneration zu Kopiengeneration weitergegebene Abglanz des Schauspielers, der 1921 vor der Kamera stand, ist nicht mehr da (ich weiß nicht mehr, wer das geschrieben hat,mag sein, dass es Siegfried Zielinski war). Die Theoretiker unter uns befreit das von dem gerne vorgeworfenen "Fetischismus" (wer das gesagt hat, weiß ich noch, schweige aber höflich), zwischen dem Film als Werk und dem Film als Objekt zu unterscheiden.
Der digitale "Film" - lieber möchte ich wirklich von Video reden, wenn es sich um elektronisch "aufgelöste" Bilder handelt, und der Film hat seinen Namen ja nun auch vom Material des Kunststoffstreifens -, der digitale "Film" ist allerdings auch endlich wirklich in der Welt der Massenreproduzierbarkeit angekommen. So perfekt austauschbar und zu vervielfältigen war er bisher eben nur in der Idee. Und die Filmpioniere hätten keinen Tag gezögert, den Schritt zur Digitalisierung zu tun, wäre er ihnen technisch möglich gewesen: Schärfere Bilder? Billigere Kopien? Höhere Zahlen ohne Qualitätsverluste? Man müsste ja bekloppt sein, sich dieses Geschäft entgehen zu lassen. Und wenn man auf diesem Wege aus alten Schinken noch mal ein paar Mark rausquetschen könnte - grandios. Was das Produktionskosten spart!
Stellt sich die Frage: Warum nur hängen wir so an unserem alten Krempel...?

Hinter Glas

Glaubt man den immerhin acht Teilnehmern an unserer letzten Umfrage, wird die Attraktivität von 3D-Kino empfindlich gemindert dadurch, dass man dabei eine unförmige Brille auf der Nase hat. Aber, meine Lieben: im Kino ist es doch dunkel. Sieht euch doch keiner damit.