Haben wir es überlesen oder stand da wirklich kein Wort im filmecho über die Geschäftspraxis im Babylon Mitte? Müsste ein Verband nicht auch selbstkritisch über schwarze Schafe in der Branche berichten? Mag sein, dass der HDF sich für ein Programmkino wie das Babylon nicht zuständig fühlt, aber wäre es nicht mal wert zu thematisieren, dass das "Premium-Medium" zu weiten Teilen von der Selbstausbeutung einiger Enthusiasten und der Niedriglohn-Arbeit ungelernter Kräfte lebt?
Dienstag, 5. August 2008
Wie jetzt?!
Was wird nun aus dem Grindel? Am 3. August verstrich die Deadline zur Rettung, aber keine Nachrichten über den Ausgang auf grindelkino.com. Links fanden wir auch nicht auf der filmecho-Homepage, nur Pro Grindel e.V. lässt uns nicht im Dunkeln tappen. Die Meldungen von Hamburg 1, Hamburger Abendblatt und Morgenpost, wenn auch etwas unsicher in der Deutung, legen ziemlich nahe, dass mal wieder ein Kino abgerissen wird.
Und man fragt sich: war der Rettungsversuch nur ein Werbegag oder kann man wirklich so irre optimistisch sein, einen zweistelligen Millionenbetrag zur Rettung eines Kinos aufbringen zu wollen? Und 550.000 Zuschauer pro Jahr zu erwarten?
Wenn man es auch irgendwie geahnt hat - der Fehlbetrag war schon frappierend hoch - es ist halt doch wieder eine Schlacht geschlagen und verloren. Es ist einfach zu wenig lichtscheues Gesindel da draußen, das sich vor flackernde Leinwände setzen mag.
Und man fragt sich: war der Rettungsversuch nur ein Werbegag oder kann man wirklich so irre optimistisch sein, einen zweistelligen Millionenbetrag zur Rettung eines Kinos aufbringen zu wollen? Und 550.000 Zuschauer pro Jahr zu erwarten?
Wenn man es auch irgendwie geahnt hat - der Fehlbetrag war schon frappierend hoch - es ist halt doch wieder eine Schlacht geschlagen und verloren. Es ist einfach zu wenig lichtscheues Gesindel da draußen, das sich vor flackernde Leinwände setzen mag.
Montag, 28. Juli 2008
Im Wald der Wörter
Auf einem südfranzösischen Markt haben wir eine interessante Entdeckung gemacht: dort wurden sowohl Foto- als auch sogenannte "Digigraphien" angeboten.
Aha: ein eigener Begriff für die Bildaufzeichnung mit digitalen Geräten? Das wäre natürlich ein spannender Ansatz, die technische Genese eines Bildes eindeutig zu halten. Womöglich bezeichnet es aber auch nur eine Fotodruck-Methode von Epson.
Im Deutschen bezeichnet das Wort außerdem die digitale Form der Lomographie. Das gefällt mir besonders für die meist nicht sehr ernstzunehmende, aber von Anlass zu Anlass unverzichtbare Handyfotografie. Immerhin ein guter Teil der "Entdeckungen", über die wir hier und da berichten, konnte nur mittels einer solchen festgehalten werden.
Natürlich denkt man einen Schritt weiter und fragt sich: muss es auch für Kino auch ein solches Wort geben, das zwischen traditionellen Kinos und digitaler Projektion unterscheidet? Erste Schwierigkeit ist dabei, dass "Kinematographie" zunächst einmal nur die Aufzeichnung von Bewegung bedeutet und Kino gemeinhin die Projektion bewegter Bilder in einem dafür vorbereiteten Raum bezeichnet. Von der für die Projektion verwendeten Technologie ist keine Rede. Nicht umsonst wird zwischen Franzosen und Deutschen heiß diskutiert, ob das Bioskop der Skladanowskys nun eine Kinomaschine im Sinn des Cinematographe Lumière ist oder nicht. Immerhin hängt davon ab, wem die Ehre der ersten Kinovorführung gebührt.
Impliziert "Kino" also die 35mm-Projektion und nur "D-Cinema" steht für die digitale Projektion im dunklen Saal? Im Allgemeinverständnis wohl kaum. Und das Wort "Filmtheater" haben sie uns auch schon geklaut und auf alle Kinos angewendet (was ja ursprünglich auch mal irgendwie stimmte). Während "Kino" mittlerweile schon alles vom Fernseher über den Computer bis zum Mobiltelefon bezeichnen darf, wenn es nach ein paar Werbefuzzis geht. Während man mit dem Satz "Ich war im Filmkino" wahrscheinlich für jemanden mit einem drolligen ausländischen Akzent gehalten wird.
Wie zum Teufel ist diesen Leuten damals gelungen, den genauso missverständlichen Begriff "Programmkino" zu etablieren und dafür zu sorgen, dass die meisten immerhin eine vage Vorstellung von dem haben, was dort passiert?!
Aha: ein eigener Begriff für die Bildaufzeichnung mit digitalen Geräten? Das wäre natürlich ein spannender Ansatz, die technische Genese eines Bildes eindeutig zu halten. Womöglich bezeichnet es aber auch nur eine Fotodruck-Methode von Epson.
Im Deutschen bezeichnet das Wort außerdem die digitale Form der Lomographie. Das gefällt mir besonders für die meist nicht sehr ernstzunehmende, aber von Anlass zu Anlass unverzichtbare Handyfotografie. Immerhin ein guter Teil der "Entdeckungen", über die wir hier und da berichten, konnte nur mittels einer solchen festgehalten werden.
Natürlich denkt man einen Schritt weiter und fragt sich: muss es auch für Kino auch ein solches Wort geben, das zwischen traditionellen Kinos und digitaler Projektion unterscheidet? Erste Schwierigkeit ist dabei, dass "Kinematographie" zunächst einmal nur die Aufzeichnung von Bewegung bedeutet und Kino gemeinhin die Projektion bewegter Bilder in einem dafür vorbereiteten Raum bezeichnet. Von der für die Projektion verwendeten Technologie ist keine Rede. Nicht umsonst wird zwischen Franzosen und Deutschen heiß diskutiert, ob das Bioskop der Skladanowskys nun eine Kinomaschine im Sinn des Cinematographe Lumière ist oder nicht. Immerhin hängt davon ab, wem die Ehre der ersten Kinovorführung gebührt.
Impliziert "Kino" also die 35mm-Projektion und nur "D-Cinema" steht für die digitale Projektion im dunklen Saal? Im Allgemeinverständnis wohl kaum. Und das Wort "Filmtheater" haben sie uns auch schon geklaut und auf alle Kinos angewendet (was ja ursprünglich auch mal irgendwie stimmte). Während "Kino" mittlerweile schon alles vom Fernseher über den Computer bis zum Mobiltelefon bezeichnen darf, wenn es nach ein paar Werbefuzzis geht. Während man mit dem Satz "Ich war im Filmkino" wahrscheinlich für jemanden mit einem drolligen ausländischen Akzent gehalten wird.
Wie zum Teufel ist diesen Leuten damals gelungen, den genauso missverständlichen Begriff "Programmkino" zu etablieren und dafür zu sorgen, dass die meisten immerhin eine vage Vorstellung von dem haben, was dort passiert?!
Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt...
... wir steigern das Bruttosozialprodukt. Wer bisher seine Augen dem Umstand, dass die Filmbranche einen guten Teil des Personals des sogenannten Prekariats stellt, verschlossen halten konnte, darf sich mal durchlesen, was das Babylon Mitte mit seinen Mitarbeitern treibt... hier und hier.
Und da erwarten wir eine perfekte Projektion und "ein paar schöne Stunden"?
Und da erwarten wir eine perfekte Projektion und "ein paar schöne Stunden"?
Das Kino ist unser Zuhause
Mit einer furiosen Feier wurde Heide Schlüpmann von Ihren Freunden, Kollegen und Adepten aus dem Universitätsbetrieb verabschiedet.Endlich mal wieder ein Anlass, das Mal seh'n zu besuchen und in allerschönster kinofamiliärer Atmosphäre Filme zu sehen, die man beim besten Willen nicht versteht - aber das tut man bei Kunst ja häufig nicht. Und bei uns kommt noch als mildernder Umstand hinzu, dass wir lebensumständebedingt ein bisschen ignorant geworden sind.

In herrlichster Open-Screening-Atmosphäre steht da Helga Fanderl auf einem Stuhl und bedient höchstpersönlich einen Super8-Projektor, der auf einer gewagten Konstruktion aus einem Cafétisch, einem Stuhl und einer Filmkiste thront, genannt der Deller'sche Turm und ebenso oscarwürdig wie der Burth'sche Teller. Ein Foto müssen wir leider schuldig bleiben, weil das mitgeführte Fotogerät nicht ansatzweise gegen die sehr lobenswerte Dunkelheit eines guten Kinos ankam. Eric de Kuyper brachte einen seiner Filme auf Video mit, weil er keine Kopie findet und Karola Gramann nötigte Eunice Martins und Maud Nelissen, ein elektrisches Klavier anzufassen. Also bitte, wenn da mal keine Szenenapllaus vorprogrammiert war!
Für Nicht-Familienmitglieder wird der Anlass mit einer Festschrift gewürdigt - pardon, keiner Festschrift, denn eigentlich ist das in diesem Fall was ganz anderes. Sie ist im Stroemfeld-Verlag erschienen und ganz unbedingt lesenswert.
Samstag, 26. Juli 2008
Im Kino Größenwahn?
Wolfram Weber ist der zur Zeit wahrscheinlich optimistischste Kinomacher überhaupt. Ausgehend vom Erfolg des Cinecittà, eines der erfolgreichsten Multiplex-Kinos in Deutschland, startete er eine Eroberungstour durch aufgegebene IMAX-Kinos (Dresden, Frankfurt, Weimar, Würzburg) und belebte zu diesem Zweck einen Filmverleih wieder. Nebenbei ist er der early adopter des digitalen Kinos schlechthin. Wo auch immer er einen Kinosaal in die Finger kriegt, steht innerhalb kürzester Zeit eine D-Cinema-Maschine drin. Sehr bevorzugt ein 3D-fähiges Gerät, das ist nämlich gleich seine nächste Leidenschaft. Im Cinecittá ließ er sogar ein MAD-System mit hydraulischen Sitzen installieren. Think big.
Wer jetzt dachte, die nächste Steigerung könnte eigentlich nur Kino in der Achterbahn sein, hat sich getäuscht. Das wäre ja lahm. Nein, die Webers haben sich vorgenommen, das Grindel in Hamburg zu retten. Dazu wird ein zweistelliger Millionenbetrag gebraucht. Rund 3 Millionen sind nach offiziellen Informationen schon zusammengekommen, der Rest sollte tunlichst bis Anfang August 2008 im Sack sein, sonst kommt der Bagger.
Ein genialer Geschäftsmann, ein naiver Zukunftsgläubiger oder ein unverbesserlicher Kinofreak? Schwer zu sagen, muss man abwarten. Gut für das Kino ist es allemal. Wir wünschen viel Erfolg!
Wer jetzt dachte, die nächste Steigerung könnte eigentlich nur Kino in der Achterbahn sein, hat sich getäuscht. Das wäre ja lahm. Nein, die Webers haben sich vorgenommen, das Grindel in Hamburg zu retten. Dazu wird ein zweistelliger Millionenbetrag gebraucht. Rund 3 Millionen sind nach offiziellen Informationen schon zusammengekommen, der Rest sollte tunlichst bis Anfang August 2008 im Sack sein, sonst kommt der Bagger.
Ein genialer Geschäftsmann, ein naiver Zukunftsgläubiger oder ein unverbesserlicher Kinofreak? Schwer zu sagen, muss man abwarten. Gut für das Kino ist es allemal. Wir wünschen viel Erfolg!
Samstag, 12. Juli 2008
RGB
Wir wurden netterweise auf den Kurzfilm "KRWLNG" hingewiesen, den Dennis Rehner und Fabian Kunz zusammen produziert haben. Falls jemandem der Titel bekannt vorkommt: Ja, das Geschehen ist untermalt vom neuen Song von Linkin Park. Aber diese knapp sieben Minuten Film sind im besten Sinne kein Videoclip. Verzichtet wurde auf eine Kopie der schnell vergessen machenden VIVA-Bilder, stattdessen: Eine in ein wenig verstörendes Grün getauchte kurze Erzählung, die geschickt gedreht erstaunlich viel Lokalkolorit vermittelt. Wie man erfahren kann, hatte der Film sogar bereits in einem Kino Premiere, auf Anfrage ist er auf DVD zu erhalten. Das nächste Projekt ist bereits angekünigt, und die Nachwuchstalente haben sich großes vorgenommen, ein Spielfilm soll's nächstes Mal sein. Wer mag, kann sich hier selber eine Meinung bilden. Fanpost erwünscht - aber bitte an die echten Jungs!
Mittwoch, 18. Juni 2008
Radieschenzähler
Drei Leute, über die wir viel schimpfen, weil sie immer versuchen, einem die Lust auf einen Film zu verderben oder irgendwelche Grabreden auf einen Ort verfassen, an dem sie sich jeden Vormittag aufhalten - ganz nach dem Motto: wer andern eine Grube schreibt, liegt selber drin - haben drei Leute, mit denen wir nicht so richtig viel anfangen können, die aber doch eine gewisse Ahnung vom Kino haben, über Kino und über die heutigen Filmstudenten reden lassen. Das ist soviel Text, dass wir uns die Kommentierung sparen können, weil Sie die hinterher eh nicht mehr lesen. Aber ganz lesenswert ist es schon.
Komm, wir click'n ins Kino
Klar schmeckt das Feierabendbier im Kino am besten. Aber nicht immer ist der richtige Film oder das aufregende neue Kinoerlebnis verfügbar. Dann kann man auch mal auf virtuelle Kinoreise gehen. WIr nehmen Sie mit.
Erste Station: Gravenbruch. Als ältestes Autokino Deutschlands rückt es, jetzt, zum 75jährigen Jubiläum der Erfindung des Autokinos, endlich mal wieder in den Fokus. Die Hessenschau bringt dazu ein nettes Video mit unfreiwilig komischen Schluß, so von wegen: Helden auch nach 75 Jahren (dabei ist der letzte Indy doch gerade mal 19 Jahre her). Übrigens, der Sprecher des Ausschnitts von 1985 ist ein naher Verwandter!
Wer mehr erfahren will: die Berliner Zeitung rekapituliert die Anfänge des Autokinos in den USA. Loge mit Motor, Loveseat auf Rädern, Knutschkugel mit Ausblick - das Image des dark room wird das Kino, besonders das Autokino nie mehr los. Dass es in Deutschland nicht erfolgreicher war und ist: komische Sache. Hier, wo das Auto nun wirklich einen hohen Stellenwert einnimmt, wo das Cocooning so groß angesagt ist und wo alles aus Amerika schon immer ein bisschen besser war... so ein Wohnzimmer auf Rädern ist doch eigentlich das Größte. Kinoleinwand und doch ganz privat, es gibt Hamburger und man kann den neiderfüllten Blick der Nachbarn ernten, wenn man am letzten Samstag wieder eine Spur gründlicher den Chrom poliert hat.
Nächster Halt: Quernheim. Weiß der Teufel, wo das ist, aber dafür ist so eine virtuelle Reise ja gut, man eiert nicht übers Land. Die FAZ nimmt uns dorthin mit und bestaunt das Phänomen Landkino, das so ungewöhnlich eigentlich doch gar nicht ist, man muss sich nur mal die Mühe machen, übers Land - aber das hatten wir ja schon. Der Betreiber Karl-Heinz Meier trägt den Spitznamen "Fuchs" scheinbar zu Recht: bis zu 1.000 Besucher die Woche bei 465 Einwohnern. So ein Ausreißer kann die schönste FFA-Statistik verderben. "Fuchs" informiert sich in der Zeitschrift "Filmwirtschaft" - Bildungslücke oder Zeitungsente? Wir kennen das Heft nicht, zu ergoogeln ist es auch nicht, aber das mag am Namen liegen. Im Deutschen Filmmuseum Frankfurt am Main, sicher eine der verlässlichsten Quellen für sowas, ist es auch nicht gelistet. Selbst wenn es diese Zeitschrift gibt - das Marketing ist bescheiden.
Und weiter. Das nächste Kino ist gleich ein guter Grund für ein schlechtes Gewissen. War mal so nah und man ist doch nicht dort gewesen. Das Lichtspielhaus & CineBar in Groß-Gerau kommt unserem Zukunftskonzept von Verzehrkino erschreckend nahe. Wieder eine Geschäftsidee gestorben, wieder eine Reise fällig. Die Möbel sind ein schwindelerregender Designmix aus allen Epochen zwischen der Kindheit unserer Eltern und unserer eigenen, mit dem Effekt, dass jeder Besucher sich jung fühlen muss. Wer in diesem Kinosaal sitzt, kann die Worte Ölkrise, New Economy, Tschernobyl, 9/11 und AIDS getrost vergessen - das kommt erst in ein paar Jahren. Hey, genau wegen sowas geh'n wir schließlich in Filmtheater. Hoffentlich kann man an der Kasse mit D-Mark zahlen. Und ein Capri-Wassereis für 50 Pfennig kaufen.
Wenn uns reut, nicht ins nahe Groß-Gerau gefahren zu sein, so haben wir jetzt die Chance, den selben Fehler nicht auch mit Köln zu begehen. Der Filmclub 813 sieht schwer aus, als könnte er eine neue Heimat werden. Leider sind 39 km Entfernung ein Ausschlusskriterium für "Puschenkino".
Für manche Leute gehört zu jeder Reise auch ein Gang über den Friedhof. Ein bekannter deutscher Filmkritiker hat mal in einer großen deutschen Tageszeitung einen Artikel zum Thema "Kinotod" geschrieben (nein, wie originell), der klingt, als wäre er zum ersten Mal in einem Multiplex gewesen oder aber, als habe er das Wesen des Multiplex noch nicht so ganz verstanden, und dass es schon noch andere Kinos gibt, wenn man diese nicht mag. Das war 2004 (selbst damals waren die Mutiplexe schon ganz gut eingeführt), ich habe den Artikel aber erst vor wenigen Tagen in meine Lesezeichen gelegt. Wie ich darauf gestoßen bin, ich weiß es nicht. Aber verlinken tue ich so einen Schmutz nicht. Basta.
Erste Station: Gravenbruch. Als ältestes Autokino Deutschlands rückt es, jetzt, zum 75jährigen Jubiläum der Erfindung des Autokinos, endlich mal wieder in den Fokus. Die Hessenschau bringt dazu ein nettes Video mit unfreiwilig komischen Schluß, so von wegen: Helden auch nach 75 Jahren (dabei ist der letzte Indy doch gerade mal 19 Jahre her). Übrigens, der Sprecher des Ausschnitts von 1985 ist ein naher Verwandter!
Wer mehr erfahren will: die Berliner Zeitung rekapituliert die Anfänge des Autokinos in den USA. Loge mit Motor, Loveseat auf Rädern, Knutschkugel mit Ausblick - das Image des dark room wird das Kino, besonders das Autokino nie mehr los. Dass es in Deutschland nicht erfolgreicher war und ist: komische Sache. Hier, wo das Auto nun wirklich einen hohen Stellenwert einnimmt, wo das Cocooning so groß angesagt ist und wo alles aus Amerika schon immer ein bisschen besser war... so ein Wohnzimmer auf Rädern ist doch eigentlich das Größte. Kinoleinwand und doch ganz privat, es gibt Hamburger und man kann den neiderfüllten Blick der Nachbarn ernten, wenn man am letzten Samstag wieder eine Spur gründlicher den Chrom poliert hat.
Nächster Halt: Quernheim. Weiß der Teufel, wo das ist, aber dafür ist so eine virtuelle Reise ja gut, man eiert nicht übers Land. Die FAZ nimmt uns dorthin mit und bestaunt das Phänomen Landkino, das so ungewöhnlich eigentlich doch gar nicht ist, man muss sich nur mal die Mühe machen, übers Land - aber das hatten wir ja schon. Der Betreiber Karl-Heinz Meier trägt den Spitznamen "Fuchs" scheinbar zu Recht: bis zu 1.000 Besucher die Woche bei 465 Einwohnern. So ein Ausreißer kann die schönste FFA-Statistik verderben. "Fuchs" informiert sich in der Zeitschrift "Filmwirtschaft" - Bildungslücke oder Zeitungsente? Wir kennen das Heft nicht, zu ergoogeln ist es auch nicht, aber das mag am Namen liegen. Im Deutschen Filmmuseum Frankfurt am Main, sicher eine der verlässlichsten Quellen für sowas, ist es auch nicht gelistet. Selbst wenn es diese Zeitschrift gibt - das Marketing ist bescheiden.
Und weiter. Das nächste Kino ist gleich ein guter Grund für ein schlechtes Gewissen. War mal so nah und man ist doch nicht dort gewesen. Das Lichtspielhaus & CineBar in Groß-Gerau kommt unserem Zukunftskonzept von Verzehrkino erschreckend nahe. Wieder eine Geschäftsidee gestorben, wieder eine Reise fällig. Die Möbel sind ein schwindelerregender Designmix aus allen Epochen zwischen der Kindheit unserer Eltern und unserer eigenen, mit dem Effekt, dass jeder Besucher sich jung fühlen muss. Wer in diesem Kinosaal sitzt, kann die Worte Ölkrise, New Economy, Tschernobyl, 9/11 und AIDS getrost vergessen - das kommt erst in ein paar Jahren. Hey, genau wegen sowas geh'n wir schließlich in Filmtheater. Hoffentlich kann man an der Kasse mit D-Mark zahlen. Und ein Capri-Wassereis für 50 Pfennig kaufen.
Wenn uns reut, nicht ins nahe Groß-Gerau gefahren zu sein, so haben wir jetzt die Chance, den selben Fehler nicht auch mit Köln zu begehen. Der Filmclub 813 sieht schwer aus, als könnte er eine neue Heimat werden. Leider sind 39 km Entfernung ein Ausschlusskriterium für "Puschenkino".
Für manche Leute gehört zu jeder Reise auch ein Gang über den Friedhof. Ein bekannter deutscher Filmkritiker hat mal in einer großen deutschen Tageszeitung einen Artikel zum Thema "Kinotod" geschrieben (nein, wie originell), der klingt, als wäre er zum ersten Mal in einem Multiplex gewesen oder aber, als habe er das Wesen des Multiplex noch nicht so ganz verstanden, und dass es schon noch andere Kinos gibt, wenn man diese nicht mag. Das war 2004 (selbst damals waren die Mutiplexe schon ganz gut eingeführt), ich habe den Artikel aber erst vor wenigen Tagen in meine Lesezeichen gelegt. Wie ich darauf gestoßen bin, ich weiß es nicht. Aber verlinken tue ich so einen Schmutz nicht. Basta.
Dienstag, 3. Juni 2008
Der Nogger-Schock
Wir nehmen uns reichlich Zeit, die Bonner Kinos nach und nach zu entdecken... sind ja nicht soo viele, da hält die Neugier länger an...
Jetzt also haben wir uns mal das Woki vorgenommen. Wofür das wohl stehen mag? Meine Mutmaßung wäre Wohlfühl-Kino, wenn ich die Einträge des sehr lesenswerten Gästebuchs studiere. Wir taten uns ein bißchen schwer mit dem Woki, aber es mag sich um eines der Kinos handeln, zu denen man einen besonderen Zugang braucht, um dort heimisch zu werden. Wir sind zwar generell im Kino zuhause, aber in ein paar Kinos, die jetzt alle etwas weiter weg sind, ganz besonders. Nicht zuletzt ist der Eindruck manchmal auch fälschlicherweise dem Film geschuldet, und der war ziemlich schlecht. Das Sequel wird wohl der erste Abenteuerfilm mit einem Helden am Rollator sein. Über um einen Satz aus dem Film über eine rsant zerbröselnde Mumie aufzugreifen: "Er war 400 Jahre konserviert, die Luft setzt seiner Haut zu." 19 Jahre reichen manchmal auch...
Erfreulich ist schon mal, dass der Saal sehr groß ist und viel von der mutmaßlichen Originalausstattung noch vorhanden ist. Besonders auffällig ist die gelb-goldene (? ...ließ sich bei dem Licht nun wirklich nicht sagen) Wandbespannung mit Leuchten in Kranichform. Noch ein paar blaue Sitze, und man fühltt sich wie bei der alten Lufthansa. Blaue Sitze gibt es auch, hinten im Saal, dann folgen ein paar Reihen numerierte rote Multiplex-Hochlehner, vorne dann wieder eher spartanische Holzstühle mit ebenfalls roter Polsterung. Da kann man sich durch die Jahrzenhte sitzen. Selbige haben wohl auch an den Stühlen der vorderen Reihen genagt. Manche Sitzflächen gaben bedenklich nach vorne unten nach, an mancher Stelle geriet gar die halbe Sitzreihe ins Schwummern, obwohl wir beide eher zierlich gebaut sind. MAD-Kino zum Selbermachen. Alte Schraublöcher im gestrichenen Boden gaben auch Aufschluss darüber, dass die übliche Reihenauflockerung hier auch schon geschehen ist.
Beeindruckend war die große, gebogene (!) Leinwand, der Ton war (abgesehen von der Lautstärke) nicht auf heutigem Großkino-Niveau, aber bei einem Film wie eine Achterbahnfahrt darf man da schon fast dankbar sein.
Ein echtes Erlebnis war dann die Eispause: Die Verkäuferin baute sich in der vordersten besetzten Reihe auf und spähte feldwebelhaft über die Reihen hinweg. Sie nahm sich einen Moment zuviel Zeit, bevor sie zu Ihrer Ansprache anhob, und so nutzten wir die Zeit, um uns schonmal nach der Verfügbarkeit von Wieder-da-Nogger-Choc zu erkundigen. Wer hätte es ahnen können - die Gute hatte eine effektvolle Kunstverzögerung eingelegt, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. In Saallautstärke teilte sie uns mit, ja, tatsächlich, sie verkaufe Eis, das hätte sie wohl auch jeden Moment kund getan, aber jetzt, da wir ihr zuvorkämen... Solchermaßen bloßgestellt versanken wir ein bißchen tiefer in den Sitz (so wie man es sonst nach Erlöschen des Lichts tut). Temptations habe sie nicht, aber Nogger choc, das habe sie, hier, noch jemand ein Eis, ich reagiere auf Zuruf... Weiteren Darbietungen fuhr zu unserem großen Bedauern das konsumunwillige Publikum in die Parade. "Keiner ein Eis? Is ja gut, ich hau ja schon ab."
Schträge Farbkombination, schräge Sitzmöbel, schräger (Umgangs-)Ton und eine Tendenz zur Überdimensioniertheit: da denken wir doch gleich an eins unserer Frankfurter Stammkinos, das unvergleichliche Filmtheater Valentin. Also vielleicht wird's ja noch was mit der Heimeligkeit. Alles eine Frage der Typfixierung.
Jetzt also haben wir uns mal das Woki vorgenommen. Wofür das wohl stehen mag? Meine Mutmaßung wäre Wohlfühl-Kino, wenn ich die Einträge des sehr lesenswerten Gästebuchs studiere. Wir taten uns ein bißchen schwer mit dem Woki, aber es mag sich um eines der Kinos handeln, zu denen man einen besonderen Zugang braucht, um dort heimisch zu werden. Wir sind zwar generell im Kino zuhause, aber in ein paar Kinos, die jetzt alle etwas weiter weg sind, ganz besonders. Nicht zuletzt ist der Eindruck manchmal auch fälschlicherweise dem Film geschuldet, und der war ziemlich schlecht. Das Sequel wird wohl der erste Abenteuerfilm mit einem Helden am Rollator sein. Über um einen Satz aus dem Film über eine rsant zerbröselnde Mumie aufzugreifen: "Er war 400 Jahre konserviert, die Luft setzt seiner Haut zu." 19 Jahre reichen manchmal auch...
Erfreulich ist schon mal, dass der Saal sehr groß ist und viel von der mutmaßlichen Originalausstattung noch vorhanden ist. Besonders auffällig ist die gelb-goldene (? ...ließ sich bei dem Licht nun wirklich nicht sagen) Wandbespannung mit Leuchten in Kranichform. Noch ein paar blaue Sitze, und man fühltt sich wie bei der alten Lufthansa. Blaue Sitze gibt es auch, hinten im Saal, dann folgen ein paar Reihen numerierte rote Multiplex-Hochlehner, vorne dann wieder eher spartanische Holzstühle mit ebenfalls roter Polsterung. Da kann man sich durch die Jahrzenhte sitzen. Selbige haben wohl auch an den Stühlen der vorderen Reihen genagt. Manche Sitzflächen gaben bedenklich nach vorne unten nach, an mancher Stelle geriet gar die halbe Sitzreihe ins Schwummern, obwohl wir beide eher zierlich gebaut sind. MAD-Kino zum Selbermachen. Alte Schraublöcher im gestrichenen Boden gaben auch Aufschluss darüber, dass die übliche Reihenauflockerung hier auch schon geschehen ist.
Beeindruckend war die große, gebogene (!) Leinwand, der Ton war (abgesehen von der Lautstärke) nicht auf heutigem Großkino-Niveau, aber bei einem Film wie eine Achterbahnfahrt darf man da schon fast dankbar sein.
Ein echtes Erlebnis war dann die Eispause: Die Verkäuferin baute sich in der vordersten besetzten Reihe auf und spähte feldwebelhaft über die Reihen hinweg. Sie nahm sich einen Moment zuviel Zeit, bevor sie zu Ihrer Ansprache anhob, und so nutzten wir die Zeit, um uns schonmal nach der Verfügbarkeit von Wieder-da-Nogger-Choc zu erkundigen. Wer hätte es ahnen können - die Gute hatte eine effektvolle Kunstverzögerung eingelegt, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. In Saallautstärke teilte sie uns mit, ja, tatsächlich, sie verkaufe Eis, das hätte sie wohl auch jeden Moment kund getan, aber jetzt, da wir ihr zuvorkämen... Solchermaßen bloßgestellt versanken wir ein bißchen tiefer in den Sitz (so wie man es sonst nach Erlöschen des Lichts tut). Temptations habe sie nicht, aber Nogger choc, das habe sie, hier, noch jemand ein Eis, ich reagiere auf Zuruf... Weiteren Darbietungen fuhr zu unserem großen Bedauern das konsumunwillige Publikum in die Parade. "Keiner ein Eis? Is ja gut, ich hau ja schon ab."
Schträge Farbkombination, schräge Sitzmöbel, schräger (Umgangs-)Ton und eine Tendenz zur Überdimensioniertheit: da denken wir doch gleich an eins unserer Frankfurter Stammkinos, das unvergleichliche Filmtheater Valentin. Also vielleicht wird's ja noch was mit der Heimeligkeit. Alles eine Frage der Typfixierung.
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