Samstag, 18. Oktober 2008

Volles Haus

Meine letzten zwei Kinobesuche haben mich mal wieder darin bestätigt: Kino ist am Schönsten, wenn der Saal voll ist.

Besuch eins war "Baader-Meinhof-Komplex", Startwochende, Samstag 20 Uhr in der Filmwelt Landau, einem Miniplex mit sechs Sälen. Parkplatz, Eingangsbereich, Foyer, Kino-Bar: alles voll mit Menschen! Von der Teeniegruppe über die komplette Familie bis zum Mittvierziger-Ehepaar, überall Stimmengewirr und gespannte Erwartung. Alle wirkten sehr routiniert, gleichzeit aber auch das Gefühl: hier ist Kino noch ein echtes Highlight. Den Aufschriften der Sprortvereinsjacken nach zu urteilen, waren manche bis zu 30 km angereist. Hätte ich dort quasi instantan bloggen können, die Masse der Eindrücke hätte für Dutzende von Einträgen gereicht. Es war faszinierend. Funktioniert Kino besser abseits der Großstädte?
Ich stellte mich an der langen Schlange an und guckte einigermaßen blöd, als ich feststellte, dass an ihrem Ende die Popcorntheke war. An der Kasse dagegen war die Schlange sehr, sehr kurz. Die Kassiererin war so fassunglos darüber, dass ich wirklich nur EINE EINZIGE Karte kaufen wollte, dass sie extra nochmal nachfragte, ob ich ganz sicher keine Plätze links oder rechts neben mir reservieren wolle.
Vor dem Film gab's wieder ein schönes Beispiel für "intelligentes Trailering": Werbung "Komm zur Bundeswehr", Trailer "Walküre", Trailer "Anonyma", Hauptfilm "Baader-Meinhof-Komplex". Quasi Deutschland im Zeitraffer ohne jede Sensibilität für Inhalte und Geschichte. Blöder ist nichtmal die amazon-Empfehlungsmaschine.

Wie anders war es da eine Woche später im Kinopolis Bad Godesberg: Wall-E, zweite Woche, freitags 20 Uhr. Man müsste denken, die Bude ist gerammelt voll (deswegen hatten wir uns die Zeit ja ausgesucht). Nichts dergleichen - kaum Betrieb im Foyer, die einkalkulierte Wartezeit an der Kasse fiel komplett aus, der Saal war bestenfalls halb voll. Bei der Saalbelegung, die dort nach meiner Erfahrung unter der Woche herrscht, muss man sich wundern, dass nicht nur am Wochendende gespielt wird.
Die Stimmung war gut, verlor sich aber in der Tiefe des Raumes. Immerhin ein Lob für das Popcorn, das wir nach langer Zeit mal wieder als passend empfanden (selbst im RAF-Film schreckten viele nicht vor dem knirschenden Genuss von Concession-Produkten zurück): es war zwar nicht so heiß und knusprig wie das unerreichbare Erzeugnis von Frau Kroiß im Abensberger Roxy-Kino, aber immerhin recht frisch und ordentlich gezuckert. Nicht so ein fades, knatschiges Zeugs, wie es die meisten servieren

Und wieder einmal der Gedanke: eigentlich müssten Mutiplexe ihre Tickets verkaufen wie Billig-Airlines, wenn man die Bude voll kriegen will. Die erste Hälfte des Saals zahlt 99 Cent, ab dann wird es immer teurer, für die letzten Plätze werden mindestens 10 Euro fällig. Der Preis eines Kinobesuchs wäre dann für die meisten so, als ob man einen PC zum Preis eines Taschenrechners kaufte. Also irgendwas stimmt da nicht.

Montag, 22. September 2008

Sechzig Plus

Eine Leserin hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass die E-Kinos durchaus auch über Säle mit mehr als 60 Plätzen verfügt.
"Das Europa hat seit 1970(Abtrennung des Balkons) immerhin 564 Plätze, das Elysee 1 seit der Abtrennung von Elysee 2 im Jahr 1988 noch 311 Plätze und ein großes Bild. Als ich diese zwei von drei betretbaren Kinos (Esplanade wäre das Dritte, wenn man Keller verträgt) vor zwei Jahren besuchte, war immerhin die Projektion einwandfrei, ich fand es auch sauber und bis auf die labyrinthartig verborgenen Toiletten fürs Elysee1 akzeptabel."
Das wussten wir natürlich (waren auch schon drin, zumindest teilweise), hätten das aber deutlicher machen können.

Besonders freut uns natürlich die Sternstunde dieses Blogs, dass eine/r unserer Leser/innen ein Kino verteidigt. Hurra!

Freitag, 12. September 2008

Spärlich

Doch, die Frankfurter E-Kinos gibt es noch. Dass das älteste Frankfurter Kinounternehmen seine Filmtitel nicht mehr wie eh und je außen anschreibt und damit auch dem Kinofernen noch signalisiert, was zur Zeit läuft (und womöglich damit sogar noch jemand anlockt), ist aber wohl auch Zeichen für eine Sparmaßnahme. Ich bin kein Fan des Kinos, weil es Säle von nur 60 Plätzen mit Winzleinwand und ohne Gefälle betreibt und weil sich der Geruch des Popcorns in der Passage mit dem menschlicher Ausscheidungen zu einem olfaktorischen Inferno mischt (wofür die Kinobetreiber natürlich nichts können). Aber das ist doch kein Grund, einem so einen Schreck einzujagen.

Ein Kommen und Gehen

Was man in den letzten Wochen aus der Fachpresse hört, stimmt nicht hoffnungsfroh: CineStar und Cinemaxx trennen sich von Häusern (Interview mit Cinemaxx-Chef Gisy hier), und die Senator hat einen bösen Absturz gemacht. Der einzige, dem es richtig gut geht, ist der deutsche Film: die FFA vermeldet einen Marktanteil von phänomenalen 33,9% (wir sparen uns mal das Wort "Keinohrhasen"). Folgerichtig ist die Senator gerade mit ihren internationalen Produktionen baden gegangen, und die Fox wie auch andere Majors bringen immer mehr deutsche Produktionen ins Kino.

Wie das an Ort und Stelle im Kinofoyer aussieht, wenn gespart werden muss, kann man an unserem örtlichen Multiplex gut verfolgen: Mehr stillgelegte Concessiontheken hat man wohl noch nicht gesehen. In Nebenzeiten ist nicht mal mehr die Kasse besetzt, Kinokarten gibt es an der Popcorntheke. Der Kassencomputer thront dort ein bisschen fehl am Platz neben der Nacho-Vitrine. Hoffentlich teilen sie demnächst keine Handfeger aus, damit man seine Krümel selber wegmacht. Zugegeben: Extrem-Cocooning kann man in den Nebenzeiten auch im Kinosaal machen. Zu viert im 400-Mann-Saal kommt man sich schon ein bisschen asozial vor.

Mehr Produktionen im Kino: das ist schon seit Jahren ein Reizwort für die Branche. Alle beschweren sich über viel zu viele Filmstarts (ca. 500 im Jahr), die Kinos, weil sie nicht genug Leinwände haben, um alles zu spielen, die Verleiher, weil sie kaum noch einen Termin finden, um Ihre Erfolgsfilme ohne kannibalisierende Konkurrenz zu starten. Gleichzeitig klagen die Betreiber kleiner Kinos immer noch darüber, dass sie von den Erfolgsfilmen keine Kopie bekommen. Und die Digitalisierung soll einerseits endlich auch kleinen Produktionen den Weg ins Kino ebnen, von denen viele dort aber auch nichts verloren haben.

Eigenartig, dass sich alle so einig sind, aber nichts verändert. Es ist wie bei der Digitalisierung: bis auf ein paar Risikofreudige, die tief in die Tasche greifen und ihre Kinos umrüsten, sitzen alle wie die Karnickel vor der Schlange und warten darauf, dass einer zuckt (oder Fördergelder spendiert). Zuzusehen, wie alle warten, anstatt endlich zu handeln, kann einen ganz krank machen.

Ein paar haben übrigens doch einen Weg gefunden, an ihre Kopien zu kommen: den Disponenten Peter König. Er ist längst nicht mehr der Geheimtipp, als der er noch vor nicht allzu langer Zeit galt, als Landkinobetreiber fast im Flüsterton davon berichteten, wie sie tatsächlich eine Startkopie von Harry Potter bekommen haben. Über 250 Leinwände "bespielt" König mittlerweile mit seinen Kopien, ohne Programmhoheit über die Häuser zu nehmen. Man fragt sich, wie lange das so bleiben kann. Denn mit dieser Zahl an Leinwänden kommt er gleich nach den fünf großen Ketten. Schon wird darüber nachgedacht, wie bei Cineplex, dem Zusammenschluss unabhängiger Kinos, auch eine Einkaufsgemeinschaft für Popcorn und ähnliches zu bilden.

Freitag, 5. September 2008

Gelebte Utopie

Ein paar Impressionen aus dem letzten Frankreich-Urlaub: Das Utopia in Bordeaux. Es befindet sich in einer ehemaligen Kirche. Leider waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs alle Säle verschlossen, keine Gelegenheit zum Blick hinein, und auch die Kamera kapitulierte vor den Lichtverhältnissen im Foyer (gotische Bögen, Chorgestühl und Wandmalereien).




Übrigens hat auch die Utopia-Website - es handelt sich tatsächlich um eine Kinokette! - ein sehenswertes Intro und führt das Malteserkreuz als Website-Icon.

Donnerstag, 28. August 2008

Stay West, Young Man

Ich habe mir für die Filmkunstmesse extra Urlaub genommen. Und dann das: Seminarthemen wie "Filmflut aus Sicht von Verleih, Kino und Förderung" (gähn, ganz was Neues), Diskussionen wie "Wollen und können wir uns gegenüber dem Home Entertainment abgrenzen?" (vielleicht beantworten wir die Frage mit ja und denken wir lieber über das wie nach??). Highlights wie Vicky Christina Barcelona, urspünglich als einer der Eröffnungsfilme vorgesehen, sind plötzlich aus dem Programm verschwunden. Und zu den angekündigten Filmen gibt es keine Kurzbeschreibung (wir kennen ja ohnehin alle von den Festivals, oder wie?).

Klar wäre es schön, mal wieder die Programmkinomacher zu sehen, bei ein paar netten Empfängen zu plaudern und zu hören, wie die Befindlichkeiten so sind. Aber für eine Fahrt quer durch die Republik mit Reise- und Übernachtungskosten und Nächte um die Ohren schlagen sollte schon etwas Zukunftsweisenderes auf dem Programm stehen als eine einwöchige Tradeshow mit abgekauten Themen.

Zur Ehrenrettung: ein echtes Highlight ist doch angekündigt.

"Ausstellungsprojekt DIE WEISSE WAND

Im vergangenen Wintersemester erhielten Studierende des Haupt- und Masterstudiums der Bauhaus Universität Weimar die Aufgabe, an einem fiktiven Standort in Berlin-Mitte ein Lichtspieltheater zu entwerfen. Neben der Erfüllung eines groben Nutzungs- und Funktionskonzeptes waren die Studierenden aufgefordert, eigene Wege und Modelle zukünftiger Nutzungs- und Erlebniswelten zu formulieren. So entstanden Anregungen für neue Vorführkonzepte vom Kleinstkino für Kleingruppen bis zum professionellen Public Viewing Space, Vorschläge für neue Werbe- und Informationsstrategien und unterschiediche Ideen für ergänzende Nutzungsmöglichkeiten der Kinobauten. Die Filmkunstmesse Leipzig präsentiert die besten Entwürfe vom 8.9. bis 12.9.2008. Akkreditierte Fachbesucher erhalten den Ausstellungskatalog mit den acht besten Entwürfen."

Also falls ich mich morgen kurzschlussmäßig doch zur Akkreditierung entscheide, dann deswegen.

Burkina Faso, ein Sommermärchen

Ach, was habe ich mich auf "Ouaga Saga" gefreut. Da hieß es in der Vorankündigung:
"Dann ist es eine Hommage ans Kino in Ouagadougou und in Afrika überhaupt, denn alles dreht sich in OUAGA SAGA immer wieder um den Film und den Ort, an dem die Menschen Filme anschauen und genießen."
Und dass es um junge Leute gehe, die von einem Multiplex träumten etc. pp. Und dann hatte ich das unfassbare Glück, dass der Film viele Wochen nach Bundesstart noch für ein paar Tage nach Bonn kam (Danke Brotfabrik!). Das war mir sogar den Luxus einer Spätvorstellung inklusive grätig dreinblickendem Spiegelbild am nächsten Morgen um sechs wert.

Manchmal wäre es aber klug, einen Film zu sichten, bevor man die Verleiherinfo abschreibt. Tatsächlich gibt es nur eine Szene, die im Kino spielt. Immerhin eine sehr schöne, sie zeigt, wie sich der Film und die Emotionen auf den Gesichtern des Publikums widerspiegelt. Und der Traum vom Multiplex beschränkt sich auf eine Denkblase einer einzigen Person gegen Ende des Films.

Eigentlich geht es um Geld und Träume, und alles wendet sich auf immer so unwahrscheinliche Weise zum Guten, dass wir die Aussage, dass es sich um eine Hommage ans Kino handelt, mal gerade noch gelten lassen.

Adrenalin pur

Wenn es dem Esel zu wohl wird, fährt er Achterbahn. Wir haben uns neulich mal das nahegelegene Phantasialand angesehen, weil uns nach Abenteuer und Exotik zumute war und das Wetter zu schön fürs Kino war (sorry). Nachdem wir festgestellt hatten, dass wir uns dem Erlebnis der heutigen Durchschnittsachterbahn nicht gewachsen fühlen, versuchten wir es mit besser domestiziertem Nervenkitzel.

Also doch Kino. Zunächst ein 4D-Kino, also 3D plus x, wobei wir uns nach der druchlitteenen Höllentour im Colorado Adventure schwer fragten, was plus x wohl sein könnte. Stromstöße? Schleudersitze? Feuerstürme?

Unsere Vermutung war so eine Art MAD-Kino mit Wackelsitzen. Beim Betreten des (augenscheinlich konventionellen) Kinosaals entfuhr meiner besseren Hälfte dann der Satz "Ooch, das ist ja ein ganz normals Kino, das ist ja gar nicht aufregend!" (für diesen Satz wird sie wahrscheinlich als Raubkopien-auf-dem-Laptop-Gucker wiedergeboren).

Nun, tatsächlich war es ein Spürchen mehr Action: drei Spritzer Wasser, ein laues Lüftchen um die Knöchel und ein sanftes Surren unter dem Hintern. Da geht noch was.

Also haben wir uns mal den "IMAX-Ride" Race for Atlantis angesehen. Ganz goldig, einer der bekannten vor-zurück-hoch-runter-Kippsimulatoren, kombiniert mit einer IMAX-Dome-Leinwand und einem reichlich angestaubten CGI-Film. Maximaler Adrenalinschub kam höchstens beim instantanen Zuschnappen der Sicherheitsbügel auf, die einem den Hosentascheninhalt mit Wucht in den Oberschenkel oder empfindlichere Stellen pressten oder den Versuch unternahmen, das Handgelenk zu brechen. Was Menschen mit einem Körpergewicht von mehr als 60 Kilo und entsprechender Leibesfülle wohl widerfahren mag? Immerhin wissen wir jetzt, warum keine Schwangeren eingelassen wurden.

Und die Moral von der Geschicht'? (Nur) Kino ist das Grösste.

Montag, 18. August 2008

CoD Red

Donnerlüttchen, von wegen Dritte-Welt-Kino: In Brasilien ist das erste Cinema-on-Demand-Projekt der Welt gestartet. 250 Titel stehen zur Auswahl, auf der Seite www.moviemobz.com kann man seinen Favoriten wählen und sein favorisiertes Kino dafür vorschlagen. Wie sich genug Zuschauer für eine Vorstellung zusammenfinden (und wo die kritische Masse für Spielen-oder-nicht-Spielen liegt), erfährt man im filmecho leider nicht genau, aber irgendwer wird sich da schon was Schlaues ausgedacht haben. Die Technik ist übrigens nicht DCI-konform, weil HD günstiger ist.

Eine Gruppe von entsprechender Größe vorausgesetzt, lässt sich sogar die Sprachversion/Untertitelung beeinflussen. Da schaug her. Das schönste überhaupt ist, dass es sich bei den 250 Titeln durchgängig um Arthouse und Repertoire handelt, denn von den 90 Mio. in Brasilien verkauften Kinokarten entfallen zwei Drittel auf diesen Markt. Da kann man nur sagen:
Bildquelle: welt.de

Dienstag, 5. August 2008

Kung Fu Sex

Ein hübsches Bild hat filmecho da neulich veröffentlicht. Versehen oder Kinomacher mit Humor?

Der Mann in der Wanne ...reitet für Deutschland!