Sonntag, 29. März 2009

Kartensalat

In Zeiten, da die Kino-Flatrate längst in Deutschland angekommen ist, wagt die AG Kino einen zaghaften Versuch und erinnert nochmal leise an ihren Rabattausweis, der aus unerfindlichen oder historischen Gründen immer noch klangvoll "Gildepass" heißt. 70 Spielstätten akzeptieren die jüngst optisch aufgefrischte Plastikkarte - bei einem Bestand von 220 Spielstätten (laut FFA-Programmkinostudie), die AG Kino/Gilde-Mitglieder sind, entspricht das gerade mal einem Anteil von 32%. Das ist nicht eben berauschend für ein Marketinginstrument, das dem Label "Programmkino" auf die Sprünge verhelfen soll.

Hier in Bonn ist keine einzige Spielstätte dabei. Da ich das nun schwarz auf weiß habe, verspreche ich hoch und heilig, zukünftig keine ahnungslosen Aushilfskassierer in Kinos mit AG-Kino-Aufkleber an der Tür mehr zu bequatschen, mir auf Vorlage des Gildepasses Rabatt zu gewähren. Schließlich möchte ich mich nicht mit ächtenswerten Kino-Räubern gemein machen.

Freitag, 27. Februar 2009

Restaurationsbetrieb

Schade, dass wir die "Astor Filmlounge" nur auf Fotos bewundern können. Aber Bonn ist halt doch ziemlich weit von allem entfernt, was Hauptstadt ist.

Überraschend ist es ja doch, dass es - trotz einiger Luxussäle hier und da - so lange gedauert hat, bis hierzulande jemand den Mut fand, ein sogenanntes Premiumkino zu eröffnen und diese Idee auch konsequent umzusetzen: mit Doorman, Garderobe, am Platz servierten Speisen und auf Voranmeldung sogar Valet Parking. Man könnte ins Schwärmen geraten, ohne je dort gewesen zu sein. Es klingt, als könnte es die angegebenen 10-15 EUR für die Kinokarte wert sein.

Dieses Geschenk an die Kinolandschaft macht Hans-Joachim Flebbe. Wäre doch schön, wenn dieses Kinokonzept genauso einschlägt wie damals Cinemaxx. Wenn man das Filmecho-Zitat "...jene Teile des Publikums zurückzugewinnen, die sich in den Multiplexen nicht wohl fühlen..." reflektiert, so hat sich der gewitzte Mann seine eigene Marktlücke geschaffen.

Naheliegenderweise kopiert (bzw. konserviert) das Astor die Filmpalast-Atmosphäre der 50er Jahre, bis in Details wie farbige Lichtspiele im Saal (hier entfährt uns ein wohliges Seufzen). Mit dem Begriff "Lounge" will das nicht ganz zusammen passen - da denkt man eher an dunkles Parkett und weiße Lederhocker anstatt an roten Teppich und Messing-Türknäufe.

Schwer fällt es uns, sich viele der aktuellen Kinohits in diesem Ambiente vorzustellen. Die Filmauswahl für das Astor dürfte nicht leicht sein. Es müssen große Filme sein, aber keine lauten, unterhaltsam, aber niveauvoll, eskapistisch, aber nicht kitschig. Zweifelsfrei, das gibt es - wir nennen es "Arthouse" oder "Crossover". Aber selbst innerhalb dieses Genres muss man einen sicheren Griff haben. Wie man laufend an solche Ware kommen will und auch noch den Saal vollkriegen soll? Da dürfen sich die Crossover-Verleiher ganz schön ins Zeug legen.

Ein Filmpalast wie anno dazumal - reaktionär? historisierend? restaurativ? Und wenn schon, uns gefällt's.

P.S.: als nächstes kommen dann bitte die Ladenkinos wieder, ja?

Donnerstag, 8. Januar 2009

Mit Pauken und Trompeten

Das Bali in Berlin-Zehlendorf wird 30! Gefeiert wird am 25. Januar mit einer musikalischen Matinée. Wir können nicht dabei sein, gratulieren der unermüdlichen Helgard Gammert aber von ganzen Herzen und hoffen, dass sie ihr Kleinod noch lange weiterbetreiben kann und noch viele faszinierende Kino-Geschichten zu erzählen hat! Mehr Infos unter www.balikino-berlin.de

Wie, Sie haben vom legendären Bali noch nichts gehört? Dann aber husch, husch in den Nachhilfeunterricht beim Tagesspiegel. Dort lernt man in einem einzigen Artikel gleich was über Georg Klosters Yorck-Kinokette (dass dazu auch Münchner Häuser gehören und Hamburg auch mal im Gespräch war, erfährt man allerdings nicht) und den Ursprung des Bali.

Kartenbareißer war mal ein echt guter Karrierestart...

Mittwoch, 7. Januar 2009

X Marketing

In dem sehr empfehlenswerten Film "Ben X", der im deutschen Kino leider nicht die Beachtung fand, dier er verdient gehabt hätte, geht es um einen autistischen jungen Mann, der sich in die Ersatzwelt eines MMORPGs flüchtet. (Eines Massively Multiplayer Online Role Play Games, bevor Sie fragen). Das ist, banal ausgedrückt, eine künstliche Spielewelt, in der man zusammen mit anderen gegen Drachen kämpft und holden Jungfrauen den Hof macht. Das Spiel, das im Film Erwähnung findet und nach dem Teile des Films gestaltet sind (sogar der Soundtrack hat stellenweise eine Prägung durch die Speilmusik erfahren), heißt Archlord und existiert wirklich.

"Ben X" ist kein Film, der Online-Spiele als suchtauslösendes Übel darstellt, das lebenslustige junge Männer in amoklaufende Monster oder im Halbdunkel vor dem Bildschirm dahinvegetierende Misanthropen verwandelt. Inwiefern es für einen Autisten hilfreich oder pathologisch relevant sein mag, wenn er sich eine solche virtuelle Zuflucht sucht, können und wollen wir nicht beurteilen. Trotzdem fanden wir den der DVD beiliegenden Werbeflyer für Archlord ziemlich geschmacklos. Dort steht (Originaltext):
"SPIELE DAS PC-SPIEL ARCHLORD AUS BEN X KOSTENLOS!

Lade Dir das KOSTENLOSE PC-Spiel Archlord, das in Ben X eine Hauptrolle spielt, herunter und zocke es noch heute. Hol es dir jetzt und fordere den exklusiven, kostenlosen Spiel-Gegenstand "Die Halskette von Vigor" an.

Hast Du, was es braucht, um Archlord zu werden? Begib dich ins epische Online-Spiel und miss dich mit Tausenden anderer Spieler, um letztendlich ihr Herrscher zu werden.

EIN ZU 100% KOSTENLOSES ANGEBOT!

Lade Archlord noch heute völlig kostenlos auf [...] herunter."
Der Befehlston (lade, zocke, herrsche!) und die Kaffefahrttonalität (100% kostenlos, exklusiv, noch heute!) haben einen eisigen Charme. Zudem darf man "100% kostenlos" wohl als irreführend bezeichnen. Im ausführlichen Wikipedia-Artikel zu Archlord ist zu lesen:
"Nach der Umstellung von einem monatlichen Entgelt auf kostenloses Spielen hat Codemasters den sogenannten Chantra-Shop als Einnahmequelle entdeckt. In diesem Shop haben die Spieler die Möglichkeit, aus dem Spiel heraus Gegenstände zu kaufen, die ihren Charakter kurzzeitig aufwerten (z. B. erhöhte Erfahrungsrate, Schriftrollen für schnelles Reisen, Wiederbelebungssteine). Diese Gegenstände werden mit Chantrapunkten bezahlt, die der Spieler für reales Geld bei Codemasters erwerben kann."
Die "Ben X"-DVD ist im Arthaus-Label erschienen. So wünschen wir uns Filmkunst eigentlich nicht.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Fröhliche Weihnachten, Kino!

Kommt zu Papa

Hans Joachim Flebbe führt in Zukunft die Hochhaus-Lichtspiele in Hannover. Wer meint, dass er das bisher auch schon getan hat, hat nicht aufgepasst oder dem fehlt der Sinn für Feinheiten. Denn die Hochhaus-Lichtspiele waren bisher Teil von Cinemaxx. Nur Flebbe, der ist seit kurzer Zeit nicht mehr Teil von Cinemaxx. Die Zeiten, in denen sich die Großkino-Welt in "Flebbe", "Kieft", "Theile" und "den Rest" aufteilte, sind vorbei, weitgehend gesichtslose Konzerne haben zumindest bei den zwei größten Ketten übernommen. Die mit ihren Namen synonym stehenden Gründer spielen nicht mehr mit.

Kieft & Kieft
Die Lichtspiele Hoffnung in Lübeck, 1948 von Ernst Blunck, Albert Kieft und Otto Schwarzloh in den Räumen einer früheren Gaststätte eröffnet, wurden 1958 Gilde-Mitglied. Petra Schaper schreibt dazu:
„Schon früh wurde bei der Gestaltung des Spielplanes der künstlerische und anspruchsvolle Film mit einbezogen, der in den 50er und der ersten Hälfte der 60er Jahre hauptsächlich aus Frankreich, Italien und Skandinavien kam [...]. Damit konnte eine Publikumsschicht gewonnen werden, die im Kino mehr sucht als die gängige und eher seichte Unterhaltung. Im Verlauf der Jahre entwickelte sich ein Stammpublikum, das der Hoffnung auch in den Zeiten der Kinokrise erhalten blieb. [...] Wenn auch die Hoffnung nicht nur ‚anspruchsvolle Filmkunst’ zeigt(e) – ein gewerbliches Kino muß immer auch zu einem gewissen Grad den ‚gängigen Publikumsgeschmack’ berücksichtigen [...]“
(SCHAPER, Petra: Kinos in Lübeck: die Geschichte der Lübecker Lichtspieltheater und ihrer unmittelbaren Vorläufer 1896 bis heute. Lübeck (Graph. Werkstätten) 1987)
Im Zuge der Konzentrationsprozesse übernahm Albert Kieft immer mehr Lübecker Kinos. 1975 stieg Marlies Kieft, 1979 Heiner Kieft in das Unternehmen ein. Damals auch noch im Programmkinobereich tätig, zählte die Unternehmensgruppe 2005 um die 570 Leinwände und ist damit Marktführer in Deutschland. Der Name Kieft & Kieft ist inzwischen Vergangenheit. 1998 übernimmt die australische Kino-Kette Greater Union zunächst 50%, 2004 dann 100% der Firma. 2003 übernahmen Kieft & Kieft 30 Ufa-Traditionshäuser, an denen Greater Union nur zur Hälfte beteiligt ist. Die Lichtspiele Hoffnung wurden 2005 durch einen von einer defekten Popcorn-Maschine verursachten Brand beschädigt. Das Gebäude wurde entkernt und sollte "künftig mit einem neuen Konzept für Veranstaltungen (Filmevents, Partys) genutzt werden" wie damals in der Fachpresse zu lesen war.

Flebbe
Noch unterhaltsamer ist die Geschichte des großen Konkurrenten der Kiefts, die man sich mühsam aus alten Filmzeitschriften und Erzählungen zusammenklauben kann. Der spätere Cinemaxx-Chef "Achim" Flebbe stellte sich 1973 im Apollo-Kino Hannover vor und schlug dem damaligen Betreiber ein neues Programmkonzept vor, an dessen Gestaltung er sich beteiligen wollte. Das Konzept ging auf, 1977 hat Flebbe bereits drei Programm- und Studentenkinos in Hannover und expandiert in den nächsten Jahren innerhalb und außerhalb der Stadtgrenzen (vgl.
NECKERMANN, Gerhard: „Multiplexe verändern Kinomarktstruktur“, in: Media Perspektiven 9/1994, S.459ff.). Neun Jahre später berichtet Matthias Hennies aus Hannover:
„Das Apollo gibt es immer noch – aber jetzt ist es nur noch eine Neben-Spielstelle, denn Inhaber Hans-Joachim Flebbe hat inzwischen eine ‚Kino-Straße’ in der City eröffnet. [...] Denn unter den Programmkinos [...] hat die Monopolisierung eingesetzt: [...] Neben Flebbe in Norddeutschland werden Heinz Holzapfel im Westen des Landes und der Berliner Georg Kloster [...] genannt.“
(HENNIES, Matthias: Ende der Kinokultur? Das Kino im Wandel: Der Weg vom Filmtheater zur Abspielstelle. Beiheft zur FILM-Korrespondenz Jg. 32, Nr. 11 vom 27. Mai 1986)
Zu dieser Zeit reichte Flebbes Einfluss aber schon weit über Hannover hinaus:
„1981/82 fielen die Lupen in die Hände eines Imperiums, das – ähnlich wie zu Kirchners Zeiten – nicht nur von München bis Hamburg mit Kinos dealte, sondern über Verschachtelungen und Beteiligungen auch ins Verleihgeschäft verstrickt war. Als Käufer traten die Concorde Filmtheaterbetriebe auf, die von Achim Flebbe aus Hannover geführt werden. Während Herr Flebbe nebenbei noch dem Impuls Filmverleih vorsteht, sind die Concorde-Betriebe mit dem Concorde Filmverleih liiert. Dessen Handlungsbevollmächtigter ist François Duplat, der zugleich die Kinoketten und Verleihgeschäfte [...] der NEF-Diffusion Deutschland im Griff hat. Diese ist Ableger der NEF-France, die ursprünglich von Louis Malle als eigene Produktionsfirma gegründet worden ist, deren Anteile er aber heute mit zwei großen französischen Produzenten teilen muß.“
(
BERTZ, Dieter (Hrsg.): Filmzeit. Das Off-Kino-Buch Berlin. Berlin (Edition Gato) 1987)
Ab Ende der 80er übernimmt Flebbe dann auch klassische Filmpaläste in Hannover, Hamburg und Berlin, 1991 folgen die ersten Multiplexe in Hannover und Essen. Als nur gut einjährige Episode versuchte Flebbes Cinemaxx AG zwischen 2000 und 2001 auch einen operativen Zusammenschluss mit dem angeschlagenen Ufa-Konzern, der aber wieder aufgelöst wurde. Wie die Kiefts nutzte Flebbe die Filmkunst- und Programmkinoszene als Sprungbrett.
„Aufgrund seiner Herkunft aus dem Filmkunstbereich ist die Flebbe-Gruppe dem deutschen Film gegenüber offener als der Durchschnitt der Branche. [...] Im Gegensatz zu anderen großen Kinoketten hat die Flebbe-Gruppe nicht die Strategie, Monopolist in einer Stadt zu sein.“
(wieder NECKERMANN)
Wie man's nimmt: Neben zwei Cinemaxx-Multiplexen betreibt die Kette dort das Kinocenter am Raschplatz und die Hochhaus-Lichtspiele (beides Filmkunstkinos). Daneben gibt es heute in Hannover nur das Apollo, dem Flebbe/Cinemaxx freundschaftlich gewogen ist, das Kino im Sprengel und das Kommunale Kino im Künstlerhaus – seit dieses vor einigen Jahren zu schließen drohte, gibt es eine Unterstützung in Form des kostenlosen Programmabdrucks in der Cinemaxx-Programmzeitschrift. In dieser inseriert auch das Apollo, nicht aber das Kino im Sprengel.

Die Gegenwart
Nun also ist Flebbe nicht mehr Cinemaxx, kehrt zu seinen Wurzeln zurück und übernimmt die Hochhaus-Lichtspiele. Auch nach den Raschplatz-Kinos streckt er die Fühler aus, so denn der mittlerweile rund eineinhalb Jahre dauernde Umbau jemals abgeschlossen werden sollte. In der Neuen Presse kann man ein langes Interview lesen. Nebenher erfüllt er sich seinen seit ein paar Jahren gehegten Traum vom Premium-Verzehrkino mit fetten Ledersesseln. (Astor Filmlounge, Berlin) Erinnern Sie sich? Vor ein oder zwei Jahren gab es da dieses Interview, Tenor "die Multiplexe müssen gemütlicher werden", da war sogar von Bücherregalen die Reden.
Cinemaxx, dessen Hauptaktionär Herbert Kloiber (Tele München Group) auch "Die Geschichte vom Brandner Kaspar" produziert hat, stößt inzwischen unrentable Häuser ab. Eines davon, das Sterntheater in Göttingen, übernimmt Torben Scheller vom Apollo Kino Hannover (klingelt da was?) zusammen mit Sybille Mollzahn (bekannt von der Nordmedia).

Weihnachten ist eben das Fest der Familie.

Sonntag, 9. November 2008

This is how we do it

Ein gutes Jahr in Bonn und endlich in ein Kino verliebt. Das von mir durchaus geschätzte, aber bisher noch nicht in die höheren Weihen des Liebens aufgestiegene Kino in der Brotfabrik hat mir innerhalb weniger Tage mehrere vorführtechnische Ausnahmeleistungen zuteil werden lassen.

Zunächst war da die Vorstellung unter dem Motto "Erlebnisort Kino" zum Aktionstag der Kommunalen Kinos. Gezeigt wurden "Movie Nights" und Buster Keatons "Sherlock jr.", ein Film, der mir auf Video wenig gegeben hat, sich in der Kinoprojektion aber als ganz fabelhaft herausstellte. Die Vorführung war insofern exeptionell, als dass beide Filme auf 16mm vorgeführt wurden, einem Filmformat, das im Filmtheaterbetrieb in der Tat als ausgestorben gelten darf, und zusätzlich durch Live-Musik gestützt wurden. Allerdings nicht das übliche, pardon, Geklimper, das mir kalte Schauer über den Rücken jagt, sondern eine mutige Variante des Trios "Filmsirup" mit Klavier, Bass und Elektronik-Part. Sehr zeitgemäß und eine echte Erlebniserweiterung!

Vorab wurde die Vorführung von zwei Tati-Filmen angekündigt - mit Trailern! Weiß der Teufel, wo man die noch ausgräbt. Und als Krönung des Ganzen beeilte man sich noch zu sagen, dass die eigentliche Kopie von "Trafic", die gezeigt werde, wesentlich schönere Farben habe als der rotstichige Trailer.

Was ich bestätigen kann. Die Vorführung in der Brotfabrik ist generell über jeden Zweifel erhaben. Scharf gestellt wird immer, wenn es notwendig ist oder wird, und stets sofort. Zu Beginn der Trailerrolle, zu Filmbeginn, beim Aktwechsel und auch sonst. Aber jetzt das Schönste:
Der Trailer zu "Trafic" wurde auch im Vorprogramm von "Playtime" noch einmal gezeigt, und siehe da, es schob sich ein Filtergläschen vor die Linse. Ein Filter. Für die Vorführung eines Trailers. Das hab ich noch nicht erlebt.

Der Vorführ-Effekt

Letzte Wochen auf den Medientagen in München gewesen. Die einzige von mir besuchte Veranstaltung, die ich rappelvoll erlebt habe, war erfreulicherweise die Vorstellung der Imagestudie Deutscher Film. So voll übrigen, dass Staatsminister Neumann, der ein Grußwort sprach, nur unter Protest in den bereits voll belegten Seminarraum eingelassen wurde.

...es ist immer so eine Sache, wenn man sich über Film mitteilen möchte, indem man selbiges Medium dazu benutzt. So war es auch zum Auftakt der Rede des FFA-Vertreters vorgesehen, allerdings scheint das technische Briefing nicht ausreichend gewesen zu sein ("klicken Sie hier und ignorieren Sie die Sicherheitswarnung" hätte genügt). Als alleinige Lösungsstrategie für die durch einen Fehlklick auftretenden Probleme hatte der gute Mann leider nur die Funktion "Notausgang" parat. Das heißt X, schließen, Alt-F4, nennen Sie es, wie Sie es wollen.

Mit sichtlicher Mühe und unter Anfeuerung (und Anleitungschoral) des Publikums gelang es nach gefühlten zehn Minuten steigender Peinlichkeit doch noch, das Imagevideo zu starten. Doch, oh weh, an dessen Ende verfehlte der FFA-Vertreter den "Stop"-Button haarscharf, erwischte den schnellen Rücklauf, und das Elend bewegte sich wieder seinem Anfang entgegen.

Welche Lösung hilft da? Richtig...

"Der Computer wird heruntergefahren."

Dieser Akt, vom Verzweiflungsgrad nahe dem guten alten Stecker-ziehen, wurde vom zahlreich anwesenden Fachpublikum offensichtlich als emanzipatorische missverstanden und beklatscht. Radikale Absage an das Diktat der Technik, eine politische Aussage über Nutzerfreundlichkeit, blabla.

Nochmal: es ist nicht nur der Inhalt, der zählt. Es muss auch vernüftig rübergebracht werden.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Faxxen mit den Maxxen

Mit der Markenpflege ist es bei den beiden Großen der Kinobranche nicht so weit her. Kinos wie der Turm-Palast in Frankfurt oder die Stern-Lichtspiele in Bonn, beides so genannte CineStar-Partnerkinos, sind nicht gerade das, was man sich unter einem CineStar-Multiplex vorstellen würde.

Cinemaxx dagegen holt das Münchner Maxx, das mir Vorort-Kinozweckbau-Sozialisiertem neben dem Royal am Goetheplatz in meiner frühen Jugend Erstberührungspunkt mit "Filmpalästen" war, nach 15 Jahren nun endlich unters Cinemaxx-Label. Dagegen finden sich andernorts (z.B. in Darmstadt und Herten) Cinemaxxe, die zwar das Label führen, aber gar nicht zur AG gehören. Das Darmstädter Exemplar gehört sogar irgendwie mit dem Citydome-Label zusammen, unter dem anderorts die Theile-Gruppe (also eigentlich Kinopolis) Häuser führt. Ganz schwindelerregend das, und eigentlich ist man froh, dass man übers Impressum einer Webiste nicht alles erfährt. In Berlin-Hohenschönhausen wiederum wird sich das Cinemaxx nach der Übernahe durch einen neuen Betreiber umbenennen.

Angesichts der in Aussicht gestellten Trennung von Häusern bei den Ketten wird es da demnächst wohl noch mehr Kuriositäten zu bestaunen geben. Wir sehen uns dann im Cinemaxopolisdomestar!

Früher war alles besser

Unter der Überschrift "Die Kinosaurier" hat Spiegel online eine hübsche Materialsammlung zu Filmpalaästen zusammengetragen. Das Wortspiel der Überschrift ist zweifellos originell und unterhaltsam, muss aber auch wieder unter der Rubrik "nostalgisierend" abgelegt werden. Assoziationswert: liebenswert, aber alt, umständlich, überlebt.

Stattdessen könnte man das doch als Denkanstoß nutzen. Damals verstand man einfach, dem Samstagabendvergnügen ein bisschen Glamour im Alltag zu verpassen: mit erhabener Architektur, einem pompösen Rahmenprogramm, festlicher Atmosphäre und gediegener Kleidung.