Samstag, 15. September 2007

Sie haben die Wahl

So, da ist sie also ohne uns zu Ende gegangen, die diesjährige Filmkunstmesse. Aber wir hatten ja keine Wahl. Sie haben schon eine: Kinolabor wurde vorgeschlagen für die Wahl zum Blog des Jahres. Wir sind - Hand aufs Herz - völlig unbeteiligt daran, aber ein gewisser Ehrgeiz stellt sich da schon ein. Also klicken Sie doch auch mal, und zwar hier.

Dienstag, 11. September 2007

Bionade für die Welt und Paula gegen alle

Heute morgen beschäftigt sich das Feuilleton der FAZ mit einem modernen Märchen: Dem mittlerweile berühmten Erfrischungsgetränk, das erfunden wurde, um eine kleine Familienbrauerei vor dem sicheren Ruin zu retten. Gesagt, getan. Ihren Siegeszug begann Bionade als Kultgetränk im Kino, doch das Konzept mit den bunten Brausen in den hübschen Glasflaschen mit der nostalgisch angehauchten Schrift wurde von Clark Kent zu Superman. Im Jahr 2002 2 Millionen verkaufte Flaschen, 2007 sollen es 200 Millionen werden. Die ganze Welt trinkt Bionade, und irgendwie vermißt man zwar das lustige Suchspiel, wenn man doch mal ein paar rot, grün oder gelb gefüllte Flaschen außerhalb eines Kinos entdeckt hatte, aber man ist doch auch irgendwie stolz auf die gelungene Globalisierung eines regionalen Produkts. Nur die Plastikflaschen sind nicht mehr ganz so authentisch wie die aus Glas.

Eine ähnliche Geschichte scheint sich derzeit im Kino abzuspielen. Gerüchteweise hatte man vernommen, daß ein "neuer" Kinderfilm - eine kleine deutsche Produktion à la Pünktchen und Emil - exklusiv (man höre und staune) in Multiplexen gestartet werden sollte. Parallel dazu wird eine Geschichte auf den Markt gebracht, die auch einen Jungen und ein Mädchen zur Identifikation anbietet, unterhalten will, und nebenher an alle möglichen menschlichen Probleme rührt. Der Haken: "Paulas Geheimnis" wird von einem kleinen Verleih betreut, "Max Minsky und ich" vom X Verleih. Finanzstärke und Marketingmacht sind ungleich verteilt. Da könnte man jetzt meinen: Ist ja super, daß Paula trotzdem auch in den Multiplexen gespielt wird.

Paulas Geschichte aber beginnt eigentlich viel früher: Letztes Jahr im September in Frankfurt am Main gewann das Großstadt-Abenteuer, das gleichzeitig auf soziale Mißstände freundlich aufmerksam macht, den ersten Preis des LUCAS-Kinderfilmfestivals. Seitdem wurde der Film durch Festivals groß - kleine Kinos in großen und kleinen Städten investierten viel Arbeit und Mühe in ihn, um ihn nach und nach bekannt zu machen. Die Aufmerksamkeit, die der Film dadurch gewann, grasen jetzt die Multiplexe ab. Dennoch sieht es so aus, als hätten sich doch noch ein paar Programmkinobetreiber eine Kopie sichern können. Ob sich "Paulas Geheimnis", der am Donnerstag startet, gegen "Max Minsky", der bereits seit dem 06. September läuft und KarstadtSport als Werbepartner aufbieten kann, zu behaupten weiß, wird sich zeigen.


Von Kleinostheim in die weite Welt, und vom Festival in die Plexe: Hoffentlich klappt das mit der "Globalisierung". Wünschen wir beiden das Beste.

Sonntag, 9. September 2007

Unser Mann in Venedig

Wir gratulieren Dr. Detlef Roßmann, der vor einer Woche zum neuen Präsident der CICAE (Internationaler Verbadn der Filmkunsttheater) gewählt wurde. Wir finden: eine gute Wahl und eine angemessene Würdigung der hervorragenden Arbeit der AG Kino.

Die lieben Kleinen

Ein Thema, das mich naturgemäß beschäftigt, ist der Nachwuchs in der Filmtheaterbranche. Gehen Sie auf ein großes Branchentreffen und sehen Sie sich um: kaum einer unter 35. Die jungen Leute sitzen zwar im Kinosaal, sie stehen auch hinter dem Concessiontresen oder am Projektor, aber als Berufsbild über den Studentenjob hinaus scheint der Kinomacher oder der Theaterleiter weitgehend passé zu sein.

Noch ist das nicht weiter tragisch, denn es gibt genug "alte Hasen" (die soo alt dann ja meist auch nicht sind), die hervorragendes Kinos machen und bei denen noch lange nicht Schicht im Schacht ist. Gottlob sind viele Leute der ersten Programmkinogeneration noch im Geschäft, denn ohne sie fiele ein tiefer Schnee. Aber ich habe auch schon mit Kinomachern gesprochen, die mir sagten: "Bei uns im Kino sind immer weniger junge Zuschauer - ist ja auch kein Wunder, woher soll ich mit 40 denn wissen, was einen 18jährigen interessiert?" Kino von jungen Erwachsenen für junge Erwachsene auf einer breiten Basis, das war einmal zu Zeiten der Filmclubbewegung.

Beim HDF gibt es eine Initiative, die sich "Next Generation" nennt. Ich habe beim HDF-Kongress davon gehört und war sehr gespannt drauf, die Leute kennen zu lernen und mit Ihnen in Austausch zu treten - bis ich erfahren habe, dass es sich da weniger um Nachwuchs von außen, als vielmehr um die Familiennachfolge der "Kino-Rentner" handelt. Das Gruppenfoto sah nicht gerade danach aus, als sei der bunte Haufen frisch von der Schule oder Uni.

Das ist natürlich schade, denn Neueinsteiger könnten den frischen Wind in die Branche bringen, der im Moment so ein bißchen fehlt. Der Schwung, den die Programmkinomacher in den Siebzigern reingebracht haben, hat lange gehalten, die Multiplexe haben in den Neunzigern dann noch ein bißchen was durcheinandergewirbelt, aber die Digitalisierung heute scheint auf der Konzeptebene (trotz potentieller Flexibilisierung des Abspiels in allen erdenklichen Dimensionen) wenig Innovationen zu bringen. Es muss ja nicht gleich ein "Papas Kino ist tot" Aufguss werden, dafür sind wir alle zu sehr Traditionalisten, aber ein wenig vom damaligen Geist könnte nichts schaden.

Jetzt können Sie mich natürlich fragen, warum ich nächste Woche nicht auf der Filmkunstmesse bin, um den Altersdurchschnitt zu senken (ein paar Jahre sollte mir das noch gelingen). Wäre ich ja gerne, aber ich habe keinen Urlaub. Denn für den Berufseinstieg musste ich mich für eine andere Branche entscheiden, so schwer es mir auch fiel. Meine Kinobegeisterung ist hier nicht von Interesse, und ich habe auch keine Möglichkeit, meine Ideen umzusetzen - aber hier ist ein junger, kreativer Mensch gefragt. Im Gegensatz zu meiner Erfahrung aus der Filmtheaterbranche auch ohne Berufserfahrung und kaufmännische Ausbildung. Und ich werde sogar gut genug bezahlt, um Wohnung und Lebensunterhalt zu finanzieren. Freilich, die Karriere vom Vorführer zum Kinobetreiber oder der Blindlings-Einstieg durch Übernahme eines Kinos hätte mir trotzdem offengestanden (Kinos wurden uns unterwegs genug angeboten) - aber so Kino zu machen, wie ich mir das vorstelle, ist leider wirtschaftlicher Selbstmord. Das hat mir leider jeder bestätigt, der so Kino macht.

Wenn es uns gelingen könnte, den Erfahrungsschatz der Programmkinoleute der ersten Generation mit den Ideen der jungen Kinofans zusammenzubringen und auch mal die zu fragen, die nicht mehr hingehen, dann würden daraus vielleicht auch die innovativen Ideen entstehen, die Kino auch wirtschaftlich wieder interessant machen. Und dann könnten wir die "Zukunft des Kinos" auch mal auf beiden Seiten des Projektors diskutieren.

Keyword-Kuriosa

Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, wenn wir sehen, was die Leute so alles in Suchmaschinen eingeben - und dann hier landen. Zuletzt waren da etwa "mast und schotbruch redensart", "was bedeutet das wort sexy", "selbstmord 6.9.07" und "3d kino wenn man schwanger ist". Und irgendwer hat immer noch eine "beschwerde ans cinecitta" (ts, ts)...

Donnerstag, 6. September 2007

Reiseimpressionen

Gestern war die letzte Kinolabor-Kinoreise für dieses Mal - viel haben wir gesehen, viel gehört, und da bei so vielen Lichtspielhäusern doch eine ganze Menge Kilometer zusammenkommen, scheint es angebracht, als letzten Eindruck eine Reisebeschreibung hinzuzufügen.

Gestern ging es im ICE gen Osten. Ausnahmsweise war es ein sehr sonniger, früher Morgen, und während der blaue Himmel mitsamt Schäfchenwolken und die grüne Landschaft mit Flüssen und Seen am Fenster vorbeirauschte - manch einer behauptet ja, der über die Leinwand flimmernde Film sei diesem Bild vergleichbar - kam ich nicht umhin, trotz meiner Zeitungslektüre meine Nachbarn zu beobachten. Da waren zum Beispiel die zwei redseligen älteren Herren, so gleich aussehend, als wären sie eine ältere Ausgabe der geklonten Matrix-Typen. Aber deutlich netter, denn es waren ganz eindeutig Pfälzer - für diejenigen, die diesen sympathischen Menschenschlag noch nicht so gut kennen: Die Pfälzer wissen das Leben zu genießen, und so durfte auch beim mittäglichen Imbiß der Rotwein nicht fehlen - stilecht mit richtigen Gläsern und sogar einem Tropfenfänger. Dabei wurden sämtliche Bekannten und Verwandten durchgehechelt, auch dies (allerdings nicht nur) eine Pfälzer Leidenschaft. Der ist tot, und der ist tot - ach, und der ist auch schon tot? Naja - ganz jung waren die beiden Herren eben nicht mehr.

Dann war da noch die ebenfalls eher mittelalterliche Blondine - ganz Dame, vom Seidentuch bis zum Kostüm über hochhackigen Schuhen (über die Reisetauglichkeit dieser Mode habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht...), die in den 70ern bestimmt eine umwerfend schöne Stewardess gewesen ist - als Flugbegleiterinnen noch diesen schicken, englischen Namen trugen. Sie war so reserviert, so ganz in Ihrer Welt versunken - bis ihr Handy klingelte. Und siehe da, wieder einmal verriet der Klingelton alles: Die kühle Blondine hörte auf einen leidenschaftlichen Tango...

Die Rückfahrt, obgleich fröhlich begonnen bei einem interkulturellen Austausch zwischen zwei jungen (West-)Handwerkern und einer (Ost-)Berufsakademie-Anwärterin (übrigens für die Pfalz), dehnte sich aus auf Hollywood-Blockbuster-Überlänge, nachdem es einen Personenschaden zu vermelden gegeben hatte - ein irgendwie metallisches, kaltes Wort für einen Selbstmord, der Leichenteile und verstörtes Zugpersonal zurückließ, während die Reisenden den tragischen Unfall gelassen nahmen, jeder verdrängte das schreckliche Geschehen auf seine eigene Art und Weise.
Bald war das beendete Leben vergessen, und wieder huschten blauer Himmel, weiße Schäfchenwölkchen und grüne Wälder und Wiesen am Zugfenster vorbei. Der distinguierte ältere Herr schräg gegenüber zeigte sich als mit der neuesten Technik ausgerüstet: Die Serienbild-Aufnahmefunktion seiner gewiß teuren Digitalkamera nutzend, machte er Fotos der schönen Landschaft im Abendlicht. Wobei ich mich sehr ernsthaft gefragt habe, wo die Freude über die Ergebnisse herkam, nachdem die Zugfenster vor Schmutz starrten. Aber sei's drum - den vorüberziehenden Film nimmt jeder für sich selbst und anders wahr.

Samstag, 1. September 2007

Kinoszene Bonn (2): Ist das Metropol gerettet?

Immer noch kein Bonner Kino von innen gesehen... Ja, ich schäme mich. Aber Sie haben ja keine Ahnung, wie es in meinem neuen Job zugeht. Gut Ding will eben Weile haben.

Immerhin wird von folgender Filmecho-Meldung meine Hoffnung genährt, eines Tages auch das Metropol erleben zu dürfen:
"Hoffnung für das Bonner Metropol?
Mit einer deutlichen Stellungnahme für das Bonner Metropol-Kino hat die Bezirksregierung Köln den Widerspruch der Eigentümerin gegen die Ablehnung der Bauanträge vom September 2006 abgewiesen. Die Eigentümerin plant einen Umbau des 1928 erbauten Kinos am Bonner Markt, um das denkmalgeschützte Gebäude für den Einzelhandel zu nutzen. Die Bezirksregierung verweist in ihrer Stellungnahme auf die Pflicht des Denkmaleigentümers, sich selbstständig um eine denkmalgerechte Nutzung des Denkmals zu kümmern. Eine Nutzung für den Einzelhandel hält die Stellungsnahme für nicht denkmalverträglich.
Ein von der Filmstiftung NRW in Auftrag gegebenes Gutachten der Kinofachleute rmc rinke medien consult, Wuppertal, hatte schon im Vorfeld nachgewiesen, dass das Metropol auch in Zukunft wirtschaftlich als Kino zu führen ist. Michael Schmid-Ospach, Geschäftsführer der Filmstiftung NRW: „Die klare Stellungnahme der Bezirksregierung, die starke Unterstützung aus der Bonner Bevölkerung und das Wirtschaftlichkeits-Gutachten sind starke Argumente für den Erhalt des Metropol als Filmtheater. Kino mitten in der Stadt ist für das urbane Klima wichtiger als weitere Aktivitäten im Buchhandel. Dies gilt umso mehr, wenn es sich dabei um ein auch architektonisch so wunderbares Kino wie das Metropol handelt. Was hier verloren ginge, wäre nie wieder zu ersetzen.“
(Quelle: filmecho.de)
Klingt fast zu gut, um wahr zu sein? Kinder, so ist Kino eben.

PG vor der Änderung?

Vor kurzem wurden wir von einem Kinobetreiber und FSK-Insider angesprochen, der unsere bekanntermaßen kritische Haltung der PG-Regelung gegenüber als "kontraproduktiv" bezeichnete. Grund: er ist Befürworter der PG-Regelung, weil er sie als ein demokratisches Instrument ansieht, das die Eigenverantwortung und Erziehungskompetenz der Eltern fördert. Mancher wird das vielleicht idealistisch finden, aber der Einwand ist durchaus berechtigt.

Derzeit steht die 2003 eingeführte PG-Regelung auf dem Prüfstand. Das ist eine Diskussion, die zu wichtig ist, um sich nicht einzumischen. Klar ist es eine Regelung, die den Kinos so manchen Besucher mehr beschert (Harry Potter, Fluch der Karibik,...), aber die Frage ist, um welchen Preis. Wieviel verkraftet das Durchschnittskind und macht es etwas aus, ob Mami und/oder Papi mit dabeisitzen? Müssen es überhaupt Mami und Papi sein? Gibt es Filme, für die die Regelung sinnvoll ist und solche, die man besser davon ausnehmen sollte? Oder ist der Grundgedanke richtig und nur das Gesetztesmodell schlecht ausgedacht?

In unserem aktuellen Poll geben wir Ihnen Gelegenheit, sich an der Diskussion zu beteiligen - Sie können sogar mehrere Optionen zugleich anklicken (also z.B. Abschaffung + neue FSK Kennzeichen). Soll die PG-Regelung wieder abgeschafft werden, ist sie gut so, wie sie ist, oder sollte sie einfach nur für ausgewählte Filme gelten? Sollte man sie gar ausweiten oder doch lieber durch neue FSK-Kennzeichen ersetzen (also z.B. FSK 6, FSK 10, FSK 14), die vielleicht auch noch mit Altersempfehlungen kombiniert sind? Bisher tun das manche Kinobetreiber ja schon, aber eben uneinheitlich. Die FSK wehrt sich dagegen, solche Empfehlungen zusätzlich zu den Kennzeichen auszusprechen - dabei sitzen die Gutachter doch ohnehin schon beieinander und tauschen sich über die Eignung des Films für eine bestimmte Altersklasse aus.

Eine Entscheidungshilfe können Ihnen die von RMC durchgeführte Akzeptanzstudie der FSK, eine Einschätzung des katholischen Filmdienst und ein erhellender Artikel von Tilmann Gangloff, der in der Welt, der Mopo und im Südkurier erschienen ist, geben.

1,66*

Fragt ein Mann seine Frau: "Schatz, gehen wir mal wieder ins Kino?"
Sie, pikiert: "Aber wir waren doch gerade erst!"
Er: "Ja, aber inzwischen gibt es Tonfilme."

* 1,66 ist die Zahl der durchschnittlichen Kinobesuche pro Kopf im Jahr 2006.

Es bleibt dabei: Programmkino

Das Kind hat einen Namen: "Programmkino" ist und bleibt das einzig Wahre, haben 46% der Teilnehmer unseres letzten Polls bekundet. Auf Platz zwei folgt "Filmkunsttheater" (29%), schon etwas abgeschlagen folgt "Arthouse" auf dem dritten Platz (21%). Für das "Studiokino" der Siebziger mag sich keiner mehr erwärmen. Ein einsamer Wolf (macht 2% aus) hat "Sonstige" angeklickt, uns aber nicht mitteilen wollen, an welchen Begriff er denkt. Vielleicht wollte er aber auch nur kundtun, dass man über eine neue Namensgebung nachdenken sollte? Wir bleiben neugierig.