Mittwoch, 21. September 2011
Mittwoch, 8. Juni 2011
His Master's Voice
Und dennoch, gewährt mir die Bitte: Liebes Kinopublikum, liebe Mitzuschauer:
Wenn Ihr
das Offensichtliche kommentieren müsst,
das Verborgene offenbaren,
wenn Ihr Erinnerungen teilen mögt,
oder die Szene schon kennt, bitte
F L Ü S T E R T ! ! !
Dienstag, 9. November 2010
Feucht, aber nicht fröhlich
Sonntag, 25. Juli 2010
Cinema Jenin
Die Stadt Jenin ist auf dem Weg, eine gewisse Normalität wieder zu erlangen, nachdem blutige Kämpfe und Blockaden Isolation und den Ausnahmezustand bedingten und ein unbeschwertes Leben unmöglich machten. Mit dem Wiederaufbau des Kinos in Jenin soll ein Ort für eine positive Freizeitgestaltung entstehen, für Frauen, für kulturellen und interkulturellen Diskurs und für Begegnungen über alle Grenzen hinweg.
Teil des Projekts sind ein Open-Air Kino mit 500 Sitzen, ein 3D-Kino mit 350 Sitzen, ein Café, Produktionsräume, eine Medienbibliothek, ein Gästehaus und die Keimzelle einer kleinen Filmschule, sowie Untertitel- und Synchronstudio.
Die Renovierungsarbeiten an den Kernbereichen werden im Juli abgeschlossen sein und das Projekt wird mit einem kleinen Festival am 5. August 2010 eröffnet.
Mehr unter www.cinemajenin.org
Samstag, 24. Juli 2010
Der "Bode" der Tatsachen
Was den Bode auszeichnet, ist seine ungeheure Genauigkeit und Detailtiefe. Es handelt sich nicht um ein Buch für denjenigen, der großformatige Farbfotos von Kinofassaden und Zuschauerräumen bestaunen möchte (die sind beim „Lacloche“ besser aufgehoben), sondern um eine Handreichung für Kinobetreiber und -erbauer, die von der Standortwahl über die Gestaltung der Verkehrswege im Haus, die Außenwerbung bishin zu technischen Fragestellungen nahezu jeden Aspekt beleuchtet, teils bis ins Detail der Konstruktionszeichnung.
Vergleicht man den Bode mit einem neueren Werk zur Kinoarchitektur wie „Weiße Wände“, das die Bauhaus-Uni und die AG Kino anlässlich eines studentischen Entwurfsprojekts zur Filmkunstmesse 2008 herausgegeben haben, wird eines augenfällig: Bode hat das Filmtheater am Zenit der Zuschauerzahlen 1957 (damals zählte man über 800 Millionen Kinobesucher im Jahr, heute erreicht man nicht ein Viertel davon) aus einer völlig anderen Richtung gedacht als die, die sich heute den Kopf darüber zerbrechen.
Kino gut, alles gut
Paul Bode beschäftigt sich nicht mit Visionen, sondern mit Fakten. Das Kino ist Leitmedium, es stellt sich weniger die Frage, wie man den Zuschauer hineinbekommt, sondern eher, wie die Kapazität zu bemessen sei und wie man es bestmöglich gestalte. Zwar ist ihm bewusst, dass sich das gerade aufkommende Fernsehen zur ernstzunehmenden Konkurrenz entwickeln könnte, als bedrohlich nimmt er es aber noch nicht wahr:
„Je mehr das Fernsehen im häuslichen Kreise an Boden gewinnt, umso mehr wird sich das Lichtspieltheater bemühen müssen, durch die Vervollkommnung seiner Vorstellungen den Besuchern mehr zu bieten, als das Fernsehen es vermag. Es kann mehr bieten, weil dem Fernsehen die illusionsfördernden technischen und räumlichen Faktoren des Filmtheaters fehlen, ebenso die (zumindest angestrebte) gesellschaftliche Plattform, auf welcher der Film zu einem Gemeinschaftserlebnis wird. Wie wichtig diese Erkenntnis ist, zeigt die Entwicklung in den USA, wo die Einbuße, welche die Filmtheaterwirtschaft infolge des Fernsehens erlitt, nicht zuletzt auf den mangelhaften Zustand der meisten Kinos zurückzuführen ist.“ (S. 22)Bode behält bis heute recht damit, leider nur teilt die Majorität der Bevölkerung diese Ansicht nicht oder handelt zumindest nicht danach.
Bodes Denkrichtung geht von innen nach außen:
„Mittelpunkt eines solchen idealen Hauses ist der Zuschauerraum. Seine ideale Form ergibt sich wiederum aus seiner Funktion, die größtmögliche Zahl von Sitzplätzen vor einer Bildwand maximaler Größe so anzuordnen, daß eine gute Sicht und Hörsamkeit von allen Plätzen gewährleistet ist. Um den Zuschauerraum herum sind die anderen Räume gemäß ihrem Verwendungszweck zu gruppieren.“ (S. 23)Dementsprechend gibt es im Bode nur einen kleinen Fototeil, der Rest der zahlreichen Illustrationen besteht aus schematischen Zeichnungen und Plänen. Er beschäftigt sich kaum mit der Fassadengestaltung, dafür aber mit exakten Daten zur idealen Reihenüberhöhung, Blickachsen und Leinwandabständen.
Verschiebung der Aufmerksamkeit
Diese Funktionsorientierung passt gut zur Idee des Bauhaus. Diejenigen, die unter diesem Label ihre Entwürfe in „Weiße Wand“ veröffentlichen, verfolgen aber eher einen ornamentalen Ansatz. Sie entwickeln ihre Filmtheater nicht aus der Perspektive des Inhalts – des Films, seiner Projektion und Rezeption –, sondern aus der Perspektive der Gesellschaft und des Städtebaus. Die Illustrationen zeigen zum großen Teil aufwendige Fassaden, die die „Funktion“ des Gebäudes in die Stadt hinaus strahlen sollen, in dem sie mit der Form des Filmstreifens arbeiten oder die Projektion auf die Straße verlängern. Ihr zentraler Raum ist aber zumeist das Foyer, um das sich dann Kinosäle, Bars, Gastronomie und weiteres gruppieren. Sie denken von außen nach innen.
Dementsprechend ähneln die Kinosäle oft dem, was der Filmrestaurator Nicola Mazzanti „volumetrische Scherze“ nennt. Die meist nur sehr grob angedeutete Anordnung der Zuschauer zur Leinwand erscheint in vielen Entwürfen schon auf den ersten Blick widersinnig, ebenso wie manche Saalformen und –formate. Die Bildfläche befindet sich in den extremsten Fällen an der Decke oder am Boden, die Zuschauer liegen oder stehen in Einzelfällen – das taugt nur als Attraktion, als Kuriosität.
Bei Lacloche findet man diesen Übergang ebenfalls. Sein Buch besteht aus fünf Teilen. Die Kinos der funktionalen Bode-Epoche fallen in den Teil mit dem Titel „Les salles de cinéma“, die auf die frühere schwülstige Epoche der „temples“ folgen. Danach kommen die „cinémas dans la cité“ und zuletzt die „espaces de transit“.
Der Gerechtigkeit halber muss man aber festhalten: Die Aufgabenstellung an die Studenten ist auch schwieriger als die, der sich Bode konfrontiert sah: er hatte nur ein funktionierendes Konzept zu vervollkommnen – daher konnte er sich mit den Details auseinandersetzen –, jene mussten ein als Anachronismus empfundenes Konzept neu beleben. Sie haben dabei Realitätssinn bewiesen und sich dadurch wenig von der heutigen Form entfernt: praktisch allen Entwürfen ist gemeinsam, dass sie über mehrere Säle verfügen, die durch ein möglichst interessant gestaltetes Foyer und eine attraktive (attrahierende) Außenfassade, Gastronomie und weitere Angebote möglichst viel Leben in sich aufnehmen sollen. Die Innovationen werden davon etwas an den Rand gedrängt und verkommen eher zu Spielereien, wenn auch willkommenen: die Auflösung der Bestuhlung oder Sitzordnung, die man an einigen Stellen angedeutet sieht; fließende Übergänge zwischen Kinosaal und anderen Räumen; die Negierung des überlieferten Gemeinschaftsgedankens durch ein Konzept, das keinen Saal mit mehr als neun Plätzen vorsieht und wo Filme nach Wunsch gespielt werden.
Ein Haus für den Film
Beide Ansätze folgen der Logik ihrer Zeit, und der eigentliche Reiz liegt in der Vermittlung zwischen ihnen: man bette den Film „in sein eigenes Haus“, das im Kern der Bodeschen Funktionalität für den bestmöglichen Filmgenuss folgt und sich an der Peripherie in sein soziales Umfeld öffnet. In jedem Fall kann die Architektur nur die Vorzüge eines gut geführten Kinos und guter Filme unterstreichen – ein abschließendes Beispiel, das den Zeitgeist der 50er aufgreift, aber auf heutige Geschmäcker abstrahierbar sein sollte:
„Alle diese Bemühungen, dem Film ein eigenes, seinem Wesen entsprechendes Haus zu schaffen, werden voraussichtlich den Wünschen eines anspruchsvollen Publikums entgegenkommen und damit dem Lichtspieltheater, das neuen Gedankengängen folgt, einen Stamm von Besuchern schaffen, wie ihn die Studios durch die Pflege des künstlerisch wertvollen Films heute schon aufweisen können. Eine Zweiteilung der Vorstellung - das Einlegen einer Pause, in der die Zuschauer den Vorführraum verlassen können – bedingt in der Raumplanung größere und festlich gestaltete Foyers mit Sitzgelegenheiten, Rauchzimmer, unter Umständen auch die Einrichtung eines Büffets. Wo solch ein Aufführungsstil gepflegt wird, ist zu erwarten, daß sich die Besucher auch in ihrer Kleidung diesem Niveau anpassen werden. Die Einrichtung von Stammplätzen, die dem Besucher stets das gleiche Raumerlebnis vermitteln, die Herausgabe einer Hauszeitschrift sind darüber hinaus geeignet, eine engere Bindung zwischen dem Theaterbesitzer und dem Publikum herzustellen, und dem Lichtspieltheater jene Atmosphäre zu geben, in welcher der Film und alle, die ihn erleben, wirklich ‚zu Hause‘ sind. Noch sind diese Möglichkeiten nicht voll erkannt und genutzt. Wohl aber kam der Filmtheaterbau selbst zu ersten Ausreifungen.“ (S. 23)Von wann war das Buch gleich?
Sonntag, 30. Mai 2010
Im Hyperraum
Diese 3D-Sache - nun ja. In Avatar wird ja nach meinem Empfinden mit dem Effekt sehr sparsam umgegangen. An manchen Stellen hinterlässt das eine gewissen Enttäuschung, weil man sich das etwas spektakulärer vorgestellt hätte, aber dafür hatte ich den Eindruck, dass sich der Effekt auch weniger schnell verbraucht als das sonst der Fall ist. Alles in allem ist 3D etwas, worauf ich im Kino auch verzichten könnte, und nach einigen Filmen dieser Art möchte ich fast sagen, in dem meisten Fällen hätte es auch 2D getan.
Bestärkt hat den Eindruck ein kleines Experiment: ich habe mir Avatar in Full HD auf Blu-Ray zu Hause angesehen. Die Full-HD-Auflösung hinterlässt bei mir auch nach Monaten mit einem solchen Fernseher immer noch ein Staunen, den aus dem Kino bekannten 3D-Effekt habe ich dagegen keine Minute vermisst.
In beiden Punkten scheine ich aber etwas anachronistische Sehgewohnheiten zu haben: die Schärfe und Anmutung des digitalen Bildes hinterlassen bei mir immer noch einen Beigeschmack von Hyperrealität - das lebendige Filmkorn oder eine normale DVD-Auflösung machen da oft einen "wirklicheren" Eindruck auf mich. Ähnlich verhält es sich bei 3D, man fällt über dem Staunen über einen guten Effekt schon mal aus der Handlung und wird sich der Schausituation (Gruß an den Elfenbeinturm: des Dispositivs) bewusst. Was zwischendurch mal ein ganz brauchbares Aha-Erlebnis ist. Dem untrainierten Kinobesucher geht bei diesem Blick in den Hyperraum hoffentlich ein Licht auf. Und lasst die Finger von 3D-Fernsehern, das ist Unfug.
Freitag, 30. April 2010
Der Fluch der Kleinstadt
Am 16. April war's dann endlich so weit: Freitag abend, 20 Uhr. Der Tag hatte sich in die Länge gezogen, immer wieder der Blick zur Uhr: Wann ist es nur endlich soweit? Wann? Nur die Klügsten kommen durch, und so hatte ich beschlossen, extra früh zu fahren, um auf jeden Fall noch einen guten Platz zu ergattern. Reservieren wollte ich nicht, erstens: So bleibt es spannend, zweitens: Welche Reihe ist die beste? Reihe 5? Reihe 6? Reihe 5? Reihe 6? Lässt sich irgendwie immer nur durch das persönliche In-Augenschein-Nehmen klären.
Erste Verwirrung, als mich auf dem Parkplatz hinter dem Kino gähnende Leere erwartete. Aber: Ha! Ich war ja schlau! Es war ja auch noch nicht einmal halb acht! Allerdings saß dann noch nicht mal jemand an der Kasse im Kino, was mich doch ein wenig stutzig machte. Lange Zeit blieb ich allein, durfte dann endlich eine Karte kaufen und vermittelte dem Kinobetreiber nebenbei noch Einblicke in die Abgründe des ersten Teils. Da dann doch noch zwei weitere Gäste kamen - mittlerweile war es bereits kurz vor acht - habe ich mich mit der Betreiberin im Kinosaal weiter unterhalten. Wo sind all die Gäste hin?
Tatsächlich hatten den ersten Teil an jenem Abend, an dem auch ich im Kino gewesen war, sehr viele Leute gesehen, die im Anschluss an den Film zum Telefonhörer gegriffen haben: Also, so etwas furchtbares! So grausam! So brutal! Nein, den Film würde ich mir an Deiner Stelle nicht ansehen! Prompt kamen für die nächste Vorstellung die Reservierungsabsagen nur so gehagelt. Einige wenige trauten sich dann doch noch für den zweiten Teil zu reservieren, aber auch hier gab es wohl wieder Telekommunikation, und so sagten wieder zwei große Gruppen ab. Man kennt sich halt.
In diesem Sinne: Allen Kinolabor-Lesern einen schönen 1. Mai und: Trau'n Sie sich was! Gehen Sie ins Kino! Sie werden sehen, es lohnt sich. Und wenn's nur wegen der Insiderinfos ist. ;-)
Samstag, 3. April 2010
Ki-Notes
Ich war vor kurzem für ein paar Stunden in Berlin (und verbunden damit ein paar Stunden mehr im ICE) und habe die Gelegenheit genutzt, mir unterwegs die ungefähr drei Stunden Berlinale Keynotes zur Zukunft des Kinos anzuschauen und mir dazu meine Gedanken zu machen.
Alles in allem waren Vorträge und Diskussion wenig erleuchtend. Was etwa soll man von dem Statement halten, dass 3D die Wahrnehmung des Films ändert, weil es aufregender sei? Ist „aufregender“ neuerdings eine grundlegende Wahrnehmungsänderung?
Kunst kommt nicht von Können
Gut gemeint war sicher auch der Kommentar, dass Kinos ein „environment for art“ seien. Dabei kann man durchaus darüber streiten, ob Film per se Kunst ist. Mit den Worten des Filmrestaurators Nicola Mazzanti, die ich immer wieder gerne zitiere: „Film is not art. But there are films which are meant to be art.“ Es gibt solche und solche Filme. Ich sehe auch gerne mal welche, bei denen ich ohne zu Zögern zugebe, dass sie keine Kunst sind – selbst wenn sie vielleicht handwerklich oder inhaltlich solide gemacht sind. Es mag filmpolitische Hintergründe haben, Film als Ganzes immer gleich als Kunst hinzustellen. Die Gleichsetzung von Film mit Kunst ist ein filmpolitischer Reflex. Solange die per Programmpreis subventionierten Kinos sich überwiegend dem anspruchsvollen Film widmen, lasse ich das gerne gelten. Aber die Grenzen sind da schon sehr fließend – deswegen auch „überwiegend“ und „anspruchsvoll“. Ein „ausschließlich“ und „Kunst“ trifft wenn überhaupt nur auf Einzelne zu.
Wer hat’s erfunden? – Auf jeden Fall nicht die Schweizer
Ebenfalls zum Topos des Kinos ist es geworden, wechselweise den 1. November 1895 und den 28. Dezember 1895 als Geburtsstunde des Kinos zu bezeichnen. Auch in den Keynotes fällt mal das eine, mal das andere Datum. Grundsätzlich kann man beide Daten aus zweierlei Perspektive bewerten: aus der Technikgeschichte des Mediums heraus und aus der Konkurrenzsituation zweier technischer Lösungsansätze im Jahre 1895. Aus der ersten Perspektive sind beide Daten nur relativ beliebige Punkte auf einem langen Weg, auf dem sich verschiedenste Beobachtungen und Erfindungen physikalischer, chemischer und mechanischer Art – camera obscura, laterna magica, Fotografie und viele mehr – zu einer neuen Apparatur verbinden. Einer Apparatur, zu der es viele verschiedene Varianten gibt. Zwei davon sind das Bioskop der Skladanowskys und der Cinématographe der Lumières. Beiden ist gemein, dass mit ihnen zum ersten Mal etwas hergestellt wird, was der Kinosituation, wie wir sie heute noch kennen sehr nahe kommt (in Berlin etwas früher als in Paris). Technisch sind sie sehr unterschiedlich, der Cinématographe ist deutlich ausgereifter und entwicklungsfähiger. Seinem Funktionsprinzip folgt die bis heute eingesetzte 35mm-Technik. Also: Erfinder des Kinos – keiner von beiden, weil zu viele elementare frühere Erfindungen, auf denen die Technik aufbaut, vernachlässigt würde; erste öffentliche Filmvorführung – vermutlich Skladanowsky; Erfinder der bis heute verwendeten Technologie – Lumière. Setzen Sie Ihre Prioritäten bitte selbst. Eins der besten Werke zur Technikgeschichte des Films ist übrigens „Audiovisionen“ von Siegfried Zielinski.
Zurück in die Zukunft
Ein großer Teil der Berlinale Keynotes drehte sich um Kinoarchitektur. Vorrangiges Symptom des Niedergangs: Kinos werden nicht mehr Filmtheater, sondern Multiplex genannt. Das zieht die üblichen Vergleiche mit sich. Sie sind nicht unbedingt originell oder stichhaltig, aber unterhaltsam formuliert. Multiplex-Bashing à la Wolfgang Novak klingt z.B. so: „Multiplex architecture is modeled on boxes, which normally are used for fast food. […] People digesting their food have become the […] soundtrack. Multiplexes accelerate the meaninglessness of cinemas.“ Er stellt die Frage: wo sind die Architekten, die Kino wieder zu einem Ort urbanen Lebens machen können? - - Gegenfrage: ist es urbanes Leben nicht zunächst mal eine Frage der Stadtplanung und dann der Architektur?
Stararchitekt Norman Foster erinnert sich mit Wehmut an seine Kindheit: „When designing for the future, I also have to look at the past.” Auf die Glanzzeit des Kinos zu blicken, kann sicherlich eine wichtige Inspiration geben. Aber wir müssen das Kino auch neu denken, zeit-gemäß und an die gegenwärtige Kultur und Gesellschaft angepasst. Kino war damals nicht nur architektonisch anders. Es erhielt auch einen anderen Rahmen durch den Service und das Ambiente, das dort geschaffen wurde. Livriertes Personal, Garderoben, Erfrischungstheken, Filmvorführungen mit Pause zum Flanieren, farbige Licht- und Wasserspiele im Vorprogramm wurden geboten. Norman Foster erzählt, wie Kino Glamour in die Welt der Arbeiter brachte. Seinen Höhepunkt erreichte das Kino in den USA in den 30er und 40er Jahren, in Deutschland in den 50ern. „The combination of the car and the falling attendancies in the 50ies, 60ies and 70ies finally put the knife in the cinema as we know it.” Heute sind Multiplexe eine “kafka-like world of little boxes”. Und der Verfall geht weiter. Filme kann man auf dem Handy, im Auto oder wo auch immer im Privaten sehen. „Does that hasten the death oft he cinema? I don’t believe it does. I’m sure we have the potential to re-invent the cinema to bring it in a way to a new era,” so Foster. Als Beleg dafür sieht er unter anderem steigende Box-Office-Zahlen. Aber die Umsätze steigen auch, wenn weniger Menschen (überproportional) mehr Geld für Kinokarten ausgeben. Kein wirklich starkes Argument also. Foster sieht aber auch bei seiner Arbeit eine neue Tendenz zu sozialen Räumen. Ganz besonders übrigens in der Wissenschaft. Wenn Foster Gebäude für Wissenschaftler plant, stellt er fest: Wissenschaftler stellen keine Fragen nach Laboren. Denn die sehen sie als selbstverständlich an. Aber sie fragen nach “social spaces”. Denn neue Ideen entstehen weniger beim Brüten im stillen Kämmerlein, sondern vor allem beim zwischenmenschlichen und interdisziplinären Austausch. Foster kommt auch auf den „public living room“ zu sprechen. Beim public viewing zur Fußball-WM ist das Kollektiverlebnis gefragt – da hat auch das Kino eine Chance, findet er. Und noch eine Beobachtung fügt er an: „We can all work at home. Do we all work at home? Do we hell. We gather together because of the social richer congregating.” Foster schildert eine konkrete Zukunftsvision, die er vom Kino hat. Für ihn ist der Flughafen einer der Räume, die unsere heutige Zeit am besten beschreiben. Also stellt er sich Kinos an Flughäfen vor, die 20minütige Spielfilme zeigen, während man auf den Flug wartet. Nette Idee, das gab es aber früher schon an Bahnhöfen, es nannte sich AKI (Aktualitätenkino) und hat die Zeit nicht überdauert.
Wolf D. Prix von Coop Himmelb(l)au zeigt Bilder und Animationen von Kinos, die spektakulär gebaut sind, aber auf den ersten Blick nicht zum Verweilen anregen. Es handelt sich um Stadion- oder Messearchitektur, die am besten vom englischen Wort „vast“ beschrieben wird. Auf die Spitze getriebene Sony-Center. Sein Lieblingsentwurf gruppiert sich um eine gigantische überdachte Freifläche. Open Air ist zwar nicht die Neuerfindung des Kinos, aber zugegebenermaßen setzt es zumindest ein Trend. Im Open-Air-Kino erreichen alte Filme, die im geschlossenen Kino kaum noch jemand sehen wollte, teils ungeheure Zuschauerzahlen. Oft habe ich sogar das Bedürfnis, Open-Air-Kino erreicht vollkommen andere Zuschauer. Woran liegt das? Warum übersetzt das Freilufterlebnis eines Films das Kino in heutige Bedürfnisse?
Eine Merkwürdigkeit am Rande
Wer auf Multiplexe schimpft, muss auch auf digital schimpfen. Das passt gut zusammen und ich tue es auch gern. Vor allem, weil beides nicht schlecht gedacht, aber meist schlecht umgesetzt ist und einer argumentativen Zwangsläufigkeit folgt, der ich mich verweigere. Nun, einer der Keynotes-Redner spricht über eine MIT-Studie, laut der digitalisierte Bilder nicht in unserem Langzeitgedächtnis haften blieben. Bitte wie? Das würde man gern genauer wissen. Bis jetzt konnte ich dieser Studie leider nicht auf die Spur kommen. Denn die Lebenserfahrung sagt etwas anderes. Digitale Projektionen erschienen mir bis jetzt nicht flüchtiger als analoge, auch wenn sie mich inhaltlich oder technisch weniger beeindruckten als manche analoge. An der gewagten These gibt es auch noch einen anderen Haken: das menschliche Auge sieht überhaupt keine digitalen Bilder, denn es ist ein analoges Instrument. In Bits und Bytes codierte Bilder müssen erstmal wieder umgewandelt und in für uns wahrnehmbare Reize übersetzt werden. Wir schieben die Datenträger schließlich in tolle elektronische Geräte, nicht in den Mund.
Am Ende wird alles gut
Neben Prix‘ Monstrositäten nimmt sich die Vision von Marin Karmitz (MK2 Cinémas) gerdazu bescheiden aus. Doch der erste Eindruck täuscht. Seine Vision ist nicht architektonischer, sondern sozialer Natur – und wahrscheinlich gerade deswegen so überzeugend und so erfolgreich. Er erzählt, wie es ihm mit Kinos gelungen ist, das Gesicht von Stadtteilen und das Leben dort zu verändern: aus finsteren Ecken, wo man sich abends nicht aus dem Haus traute, wurde in jahrelanger mühsamer Arbeit wieder ein Lebensraum. Das Kino gab den Menschen dort einen Grund, auszugehen und sich aufzuhalten. Das Kino bildete einen neuen sozialen Raum, zog Menschen an. Diese veränderten nach und nach die Umgebung – und sich. Jugendliche, die sich erst als Störer ins Kino einschlichen, kamen später regelmäßig als reguläre Besucher – obwohl alle Filme in der Originalfassung oder als OmU liefen.
Nicht umsonst sagt Karmitz: „Kino ist Licht in jeder Bedeutung.“ Von allen Rednern bei den Keynotes scheint er derjenige zu sein, der tatsächlich „une autre idée du cinéma“ hat.
Sonntag, 7. März 2010
Verrückt - auf die gute Art
"Solange ich lebe und solange ich reich bin, wird es das New Beverly hier geben und Double Features in 35mm."Womit mal wieder bewiesen wäre, dass man als Kinobetreiber ein bisschen verrückt sein muss.
Strange Days
Wobei ich zugeben muss, dass "Vier Fäuste für ein Halleluja" als durchaus originell zu werten ist und mir zumindest ein nachsichtiges Lächeln abgerungen hat.
